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Bamberg/Oberaurach
Mann schoss aus Frust - Kind tot

Bamberg/Oberaurach. Nach den tödlichen Schüssen auf eine Elfjährige an Silvester in Bayern sitzt der mutmaßliche Schütze in Untersuchungshaft. Er hat eingeräumt, auf eine Menschenmenge geschossen zu haben. Von Cathérine Simon

Erleichterung und Entsetzen mischen sich gestern in dem kleinen bayerischen Ort Unterschleichach. Nach den tödlichen Schüssen auf ein elf Jahre altes Mädchen in der Silvesternacht ist der mutmaßliche Täter gefasst. "Das ist schon ein großes Gefühl der Erleichterung", sagt Elke Markert, die in einer Metzgerei in der Ortsmitte arbeitet.

Doch auch die Bestürzung ist groß. Denn der mutmaßliche Schütze, ein 53 Jahre alter Mann, kommt aus Unterschleichach. Er wohnt neben dem Tatort. Aus Frust über seine familiären Verhältnisse und Ärger über den Krach der Silvesterböller soll er auf die feiernden Menschen geschossen haben. Die elfjährige Janina, die mit Freunden auf der Straße feierte, brach plötzlich zusammen.

Gegen den Mann wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. "Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte bewusst in Richtung der Personengruppe geschossen hat", sagt der Leitendende Bamberger Oberstaatsanwalt, Erik Ohlenschlager. Der Mann - früher Mitglied im Schützenverein und daher rechtmäßiger Besitzer von vier Waffen - sei wegen seiner privaten Probleme in Behandlung. Vor Jahren trennten er und seine Lebensgefährtin sich, mit der er ein Kind hat. Aufgrund dieser Trennung sei er "psychisch angeschlagen".

In der Silvesternacht sei er allein in seinem Haus gewesen. Als er dann um 1 Uhr durch Böller geweckt wird, holt er laut Ohlenschlager "aus Wut und Frust" aus seinem Keller eine seiner Kleinkaliberwaffen. Er geht in den Garten und schießt von dort drei- bis viermal in Richtung der feiernden Menschen - und trifft Janina in den Kopf.

Der Mann gibt die Schüsse zu, doch er bestreitet, dass er einen Menschen töten wollte. Der 53-Jährige sei sichtlich erleichtert gewesen, dass ihm die Ermittler letztlich auf die Spur kamen, berichtet die Staatsanwaltschaft. Gestellt hat sich der im Gefängnis Ebrach angestellte Kraftfahrer dennoch nicht, obwohl Janinas Mutter sich dies in Interviews sehr gewünscht hatte.

Schon am 1. Januar hatte die Polizei im etwa 450 Einwohner zählenden Unterschleichach, einem Ortsteil von Oberaurach, rund 60 Kleinkaliberwaffen sichergestellt und alle Waffenbesitzer in der Nähe des Tatorts überprüft. Auch die Waffe des 53-Jährigen war dabei. Eine 50-köpfige Sonderkommission ermittelte.

Auf die Spur kam die Polizei dem Mann aber erst, als er bei Zeugenaussagen widersprüchliche Angaben machte. "Dass seine Angaben in wesentlichen Dingen nicht stimmten, hat den Fokus auf ihn gelegt", sagt Ohlenschlager. Außerdem passt eine seiner Waffen zur Tat und er gibt zu, in der Neujahrsnacht damit geschossen zu haben. "Er wird bis zum Ende seines Lebens auf jeden Fall meine Tochter auf dem Gewissen haben", sagte Janinas Mutter in einem Interview kurz nach der Tat. Noch kurz vor dem tödlichen Schuss habe ihre Tochter sie angerufen und erzählt, wie viel Spaß sie habe und wie glücklich sie sei. Zum ersten Mal durfte das Mädchen alleine Silvester feiern.

Die Haustür des Schützen ist nun von der Polizei versiegelt. Am Tatort stehen und liegen auch zwei Wochen nach Silvester noch zahlreiche Kerzen und Blumen. "Wir sind jetzt nur froh, dass sie ihn haben", sagt Elke Markert. "Ich dachte ja schon fast, man kriegt ihn nicht mehr."

(dpa)
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