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Bonn
Mann wirft Kinder "als Strafe" aus Fenster

Bonn. Vor dem Bonner Landgericht muss sich ein 35-jähriger Syrer wegen versuchten Mordes verantworten. Von Claudia Hauser

Als zwei Justizbeamte den Angeklagten Zanar H. in den Saal 1.13 des Bonner Landgerichts führen, zieht er sein T-Shirt von vorne über den Kopf, um sich vor den Blicken der Anwesenden und der vielen Fernsehkameras zu schützen. Dann lässt er sich auf die Knie fallen und weigert sich, wieder aufzustehen. Er will seine Kinder sehen, sagt er.

Seine Kinder, das sind zwei kleine Töchter (ein Jahr und sieben Jahre alt) und ein fünfjähriger Sohn. Zanar H. soll sie am 1. Februar dieses Jahres aus dem Fenster einer Flüchtlingsunterkunft in Lohmar auf die Straße geworfen haben. Wegen versuchten Mordes muss er sich nun vor Gericht verantworten. Am Nachmittag des 1. Februar soll Zanar H. zunächst seinen fünfjährigen Sohn gepackt und ihn aus dem Badezimmerfenster auf den Asphalt geworfen haben. Der Junge erlitt einen Schädel- und einen Nasenbruch, einige weitere Brüche im Gesicht . Zanar H. soll dann die kleinste Tochter, die gerade in der Badewanne saß, hinterhergeworfen haben. Das Kind fiel auf den schwerverletzten Bruder, erlitt deshalb nur Prellungen. Der Vater soll dann in die Küche gegangen sein, wo seine siebenjährige Tochter gerade am Tisch saß. "Er packte sie wortlos und warf sie aus dem Küchenfenster auf den Beton", heißt es in der Anklage. Das Mädchen erlitt unter anderem einen Schädelbasisbruch. Alle drei Kinder überlebten den Sturz.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass Zanar H. seine Kinder töten wollte, um die Kindsmutter zu strafen. Der Angeklagte soll nicht damit einverstanden gewesen sein, dass seine Ehefrau in Deutschland "nicht mehr das aus der Heimat gewohnte Rollenverständnis akzeptieren und sich nicht mehr alles von ihm gefallen lassen wollte", wie der Sprecher sagt. Die Familie stammt aus Syrien und lebte seit Mitte 2015 in Deutschland. Zanar H. sagte gestern nichts zu den schweren Vorwürfen. Sein Verteidiger gab an, sein Mandant werde sich erst zu einem späteren Zeitpunkt äußern. Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: RP
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