"Überstunden vergüten": Marburger Bund: Krankenhausärzte verlangen Stechuhr
zuletzt aktualisiert: 09.09.2000 - 15:38Köln (dpa/lnw). Die Krankenhausärzte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben die Einführung von Zeiterfassungssystemen wie etwa Stechuhren für Krankenhausmitarbeiter gefordert. Aus Umfragen sei bekannt, dass der durchschnittliche Krankenhausarzt viel mehr arbeiten müsse als im Tarifvertrag festgelegt, erklärte Rudolf Henke, Vorsitzender der Landesorganisation im Krankenhausärzte-Verband Marburger Bund. Dieses Mehr an Leistung müsse zu einem entsprechenden Mehr an Vergütung oder zu einem Freizeitausgleich führen, forderte Henke auf der Hauptversammlung seines Verbandes in Köln.
Überstunden und Bereitschaftsdienste, die heute von Krankenhausärzten "massenweise unbezahlt" geleistet würden, müssten künftig vergütet werden. "Allein wir Krankenhausärzte subventionieren die Krankenkassen durch Gratis-Arbeit im Wert von fast 2,5 Milliarden Mark jährlich", sagte Henke. Fast jedes zweite Krankenhaus verstoße auch heute noch gegen grundlegende Regeln des Arbeitszeitgesetzes. "Wir haben etliche Hinweise, dass die Situation an den Universitätskliniken, also an den staatlichen Krankenhäusern im Eigentum der Bundesländer, besonders schlimm ist".
Henke sprach sich zudem dafür aus, die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung von den Arbeitsentgelten abzukoppeln. Das bestehende System führe zu einer krassen Benachteiligung von Arbeitnehmern, die über kein anderes Einkommen verfügten. Stattdessen sollten sich die Versicherungsbeiträge am Gesamteinkommen der Haushalte orientieren. Bisher blieben Einkünfte aus Vermögen, aus Vermietung und Verpachtung bei den Krankenversicherungsbeiträgen unberücksichtigt. Wenn sich die Beiträge am Gesamteinkommen orientierten, würde sich das Beitragsaufkommen beträchtlich erhöhen. Damit könnten die Beiträge für einzelne Versicherte gesenkt oder bisher vernachlässigte Aufgaben in der Krankenversorgung finanziert werden, sagte Henke.
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