Clinton und Mandela in Baden-Baden: "Medienkanzler" Schröder ausgezeichnet
zuletzt aktualisiert: 14.03.2001 - 08:25Baden-Baden (rpo). Der Deutsche Medienpreis würde seinem Namen nicht gerecht, wenn die deutschen Medienstars nicht auch sich selbst feiern würden. "Medienkanzler" Gerhard Schröder (SPD) ist am Dienstagabend in Baden-Baden mit dem "Deutschen Medienpreis 2000" ausgezeichnet worden.
Vor zahlreichen Prominenten aus Wirtschaft, Show- und Medienbranche würdigte Ehrengast Nelson Mandela, einstiger Präsident Südafrikas, Schröder als einen Staatsmann, der maßgeblich an der Schaffung einer Welt mit weniger Ungerechtigkeit und Elend mitwirke.
Festredner Bill Clinton bezeichnete den Frieden als das Thema des Medienpreises. Um langfristig Frieden zu schaffen, müsse man die Ursachen von Konflikten bekämpfen - wie Unwissenheit, Armut und Krankheit. Auch in der hoch entwickelten modernen Welt sei immer noch die "Angst vor dem anderen" Auslöser vieler ethnischer Auseinandersetzungen, sagte der frühere US-Präsident und Medienpreisträger des Jahres 1999. Er bekräftigte die Bedeutung eines Schuldenerlasses für die ärmsten Länder der Welt. Die Gelder müssten allerdings in Gesundheit, Bildung und Wirtschaftsförderung investiert werden und nicht in die Rüstung.
Der undotierte Deutsche Medienpreis wird jährlich vom Marktforschungsinstitut Media Control des Unternehmers Karlheinz Kögel an herausragende Persönlichkeiten der Medienwelt vergeben. Nach Ansicht der aus namhaften Chefredakteuren bestehenden Jury zeigt Schröder eine neue Form im Umgang mit Menschen, Medien und Macht. Er beweise Talent zur Integration und habe an außenpolitischem Gewicht gewonnen.
Die Laudatio hielt überraschend der F.A.Z.-Mitherausgeber Frank Schirrmacher. Der Bundeskanzler habe, allen politischen Irrtümern zum Trotz, eine neue Modernität ins Land gebracht. "Mir scheint, dies ist der Weg in eine neue Republik", sagte Schirrmacher. Schröder sei es zu verdanken, dass sich bestehende Ängste vor dieser Republik "in Luft aufgelöst haben".
Der Bundeskanzler wies in seiner Rede darauf hin, dass der Begriff Medienkanzler in einer Demokratie nicht unbedingt etwas Schlechtes sein müsse. Politik dürfe sich jedoch weder den Medien unterwerfen noch sollte sie versuchen, sich die Medien gefügig zu machen. Die Medien hätten eine wichtige Kontrollfunktion. Jedoch dürfe die Pressefreiheit nicht zur Jagd auf Menschen missbraucht werden.
In Baden-Baden zeigte sich das Who-is-who der Medien- und Showbranche. Topmodel Heidi Klum war unter den ersten Gästen, Rocksänger Marius Müller-Westernhagen präsentierte sich ganz in schwarz, die schwangere Schauspielerin Veronica Ferres kam trotz ihres Badeunfalls, und in letzter Minute traf auch Thomas Gottschalk ein. Boris Becker hatte abgesagt, möglicherweise, weil Sabrina Setlur auf der Gästeliste stand, wie Kögel spekulierte. Und Setlur selbst mied demonstrativ das Spalier der Fotografen und Kameraleute - sie schlich über einen Nebengang zum Festsaal.
Aus der Wirtschaft zeigten sich unter anderem der Lufthansa-Chef Jürgen Weber und Bundesbankpräsident Ernst Welteke. Vertreter der Politik wurden nicht gesehen. Auch der im Wahlkampf steckende baden- württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) hatte abgesagt.
Clinton war am Dienstagmittag aus Den Haag nach Baden-Baden gekommen und ging nach einem Essen im Szenelokal "Leo's" zu Fuß durch die Innenstadt zum Hotel - zum Leidwesen seiner Leibwächter, da Clinton zahlreichen Passanten die Hände schüttelte. Mandela, Medienpreisträger 1998, unterbrach für den Termin in der Kurstadt eigens eine Südostasienreise und flog aus Südkorea ein, um am Donnerstag nach Indien weiterzureisen. Beide kamen ohne ihre Ehefrauen, ebenso wie der Bundeskanzler: Doris Schröder-Köpf musste erkältet zu Hause bleiben.
Zu den Beratern der Medienpreisjury zählten die Chefredakteure der Nachrichtenmagazine "Spiegel" und "Focus", Stefan Aust und Helmut Markwort. In den vergangenen Jahren wurde der seit 1992 existierende Preis unter anderem an König Hussein von Jordanien (1997), den damaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin (1996) und Palästinenserchef Jassir Arafat (1995) verliehen.
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