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Nach schwerem Erdbeben
Mehr als 15.000 Italiener müssen in Notunterkünfte ziehen

Verwüstungen nach Erdbeben in Italien
Verwüstungen nach Erdbeben in Italien FOTO: dpa, dtm jak
Norcia. Das Erdbeben am Sonntagmorgen hat viele Gebäude in den Regionen Umbrien und Marken zerstört. Mehr als 15.000 Menschen müssen in Hilfsunterkünften untergebracht werden. Einige Bewohner von einsturzgefährdeten Häusern weigern sich vehement, ihr Zuhause zu verlassen.

Nach dem erneuten Erdbeben in Mittelitalien sind mehr als 15.000 Menschen auf Hilfe vom Zivilschutz angewiesen. Sie würden in Hotels und anderen Unterkünften einquartiert, teilte das Zivilschutzamt mit. Ein weiterer Anstieg der Zahl der Hilfsbedürftigen sei zu erwarten, da derzeit noch nicht diejenigen mitgezählt worden seien, die in ihren Autos übernachtet oder anderweitig Hilfe gesucht hätten. Ministerpräsident Matteo Renzi versprach, alle Hilfsbedürftigen würden sicher untergebracht.

Trotz der Zusage häuften sich Berichte, nach denen viele Bewohner Mittelitaliens ihre Häuser nicht verlassen wollten. Diese hätten entweder kleine Geschäfte zu führen, seien für Vieh verantwortlich oder gingen davon aus, dass ihre Unterkünfte nach diversen Erderschütterungen der letzten Zeit auch weiteren Beben standhielten.

Der Bürgermeister von Preci, einem Dorf rund 60 Kilometer südöstlich von Perugia, rief die Behörden auf, Wohnwagen, Zelte und Container bereitzustellen. Etwa 400 der rund 700 Einwohner zögen es vor, in der kommenden Winterkälte auszuharren anstatt fortzuziehen. "Wir wollen nirgendwo anders hin. Wir sind hier geboren, hier sind unsere Wurzeln", sagte der stellvertretende Bürgermeister Paolo Masciatti dem Fernsehsender Sky TG24.

Der Bürgermeister der am nächsten am Epizentrum des Bebens gelegenen Stadt Norcia sagte, 500 Bürger seien zwar in Hotels untergekommen. Aber auch dort seien Zelte aufgebaut worden, in denen Tausende vorerst leben könnten. Zuvor waren Bewohner unter Begleitung der Feuerwehr in ihre Häuser zurückgekehrt, um persönliche Gegenstände einzusammeln. Sie durften ihre jeweiligen Häuser nur mit Helmen und in kleinen Gruppen betreten.

"Manche unserer Mitbürger möchten ihre Grundstücke nicht verlassen"

Schwere Schäden nach neuem Beben in Mittelitalien FOTO: ap

Ministerpräsident Matteo Renzi erklärte am Montag, das Land könne nicht monatelang Zelte in die schneebedeckten Berge stellen. "Aber manche unserer Mitbürger möchten ihre Grundstücke nicht verlassen, noch nicht einmal für einige Monate."

Am Sonntagmorgen waren die Regionen Umbrien und Marken abermals von einem Erdbeben erschüttert worden, es war das schwerste seit fast 36 Jahren. Es gab keine Toten oder Schwerverletzten, weil die Gegenden bereits Mitte der Woche nach zwei Erdstößen geräumt worden waren. Das Beben der Stärke 6,6 zerstörte aber viele Gebäude, die den Erschütterungen seit August standgehalten hatten.

Nach dem Beben wurde am Montag in Rom eine Brücke über dem Tiber abgesperrt, wie die italienische Agentur Ansa berichtete. Bei einer Untersuchung seien Schäden entdeckt worden. Auch die Kirche S. Eustachio nahe dem Pantheon wurde geschlossen, nachdem in der Kuppel Risse festgestellt worden waren.

(rls/AP)
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