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Gammelfleisch-Skandal: Mehr Schutz für Informanten gefordert

zuletzt aktualisiert: 29.08.2007 - 12:06

Berlin (RPO). Nach dem neuen Gammelfleisch-Skandal in Bayern hat die Gewerkschaft NGG einen besseren Informantenschutz gefordert. Erst durch den Tipp eines misstrauischen Speditionsmitarbeiters waren die Behörden der betroffenen Firma in Wertingen auf die Schliche gekommen. Der Betrieb hatte Schlachtabfälle mit gefälschten Etiketten als frisches Puten- und Rindfleisch deklariert.

"Mitarbeiter, die auf Missstände im Betrieb hinweisen, müssen einen umfassenden rechtlichen Schutz vor Repressalien seitens der Arbeitgeber erhalten", sagte der Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg. Mit verstärkten Kontrollen durch die zuständigen und nicht immer ausreichend besetzten kommunalen Behörden allein sei den Rechtsverstößen einiger Unternehmen nicht beizukommen. Deshalb sei es nötig, den Informantenschutz verbessern. Denn auch die Aufdeckung des jüngsten Skandals in Bayern sei nur dem Hinweis eines Mitarbeiters zu verdanken, so Möllenberg.

Es gebe nach wie vor eine Dunkelziffer, der nur mit Transparenz, Informantenschutz sowie qualifizierten und angemessen bezahlten Arbeitnehmern zu begegnen sei. Eigenkontrollen der Fleischwirtschaft seien von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil einige schwarze Schafe immer wieder durch Rechtsverstöße auffielen und eine ganze Branche in Misskredit brächten, erklärte der NGG-Vorsitzende.

Ganz anders sieht das Bundesverbraucherschutz-Ministerium die Sachlage nach Bekanntwerden des jüngsten Gammelfleisch-Skandals. "Der Fall zeigt, dass die Mechanismen gegen Handel mit Gammelfleisch funktionieren", sagte Staatssekretär Gert Lindemann der "Passauer Neuen Presse".

Nun müssten die Hintergründe lückenlos aufgeklärt und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden. Lindemann sagte, es müsse gewerberechtlich dafür gesorgt werden, dass die Produkte der Verantwortlichen "auf absehbare Zeit aus dem Markt entfernt werden". Die bayerischen Behörden seien bereits aktiv und kümmerten sich "intensiv und zügig um die Aufklärung".

Eine Fleischfirma aus dem bayerischen Wertingen soll nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mindestens 20 Tonnen Schlachtabfälle mit gefälschten Etiketten als frisches Puten- und Rindfleisch an einen Berliner Döner-Fabrikanten verkauft haben. Die Behörden stoppten zudem eine weitere Lieferung von mehr als elf Tonnen genussuntauglichen Materials und überführten den 55-jährigen Fleischhändler damit am Freitag auf frischer Tat.

Die Behörden kamen dem Fall auf die Spur, nachdem am Freitag ein misstrauischer Speditionsmitarbeiter bei der Anlieferung der Fleischabfälle die Polizei eingeschaltet hatte. Wie Staatsanwalt Jürgen Brinkmann erklärte, fiel dem Fahrer auf, dass der Verdächtige die nur für die Tierfutter-Produktion bestimmte Ware an einem möglichst unauffälligen Ort abgeladen haben wollte. Der Verdächtige habe zudem sofort begonnen, die Etiketten von der Ware zu entfernen.


 
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