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Wollpullover als Trend-Kleidungsstück
Mann trägt Norweger

Norweger-Pullover vom Deutschen Mode-Institut zum "Stück der Saison" ernannt
Das "Must have" der Saison: der Norweger-Pullover. FOTO: dpa, may
Köln. Das Deutsche Mode-Institut hat den grob gestrickten Pullover zum "Stück der Saison" ernannt. Traditionelle Muster haben sich bis heute durchgesetzt. Und Wolle ist eine natürliche High-Tech-Faser. Von Saskia Nothofer

Er hält mollig warm, versteckt den Winterspeck und ist dazu auch noch im Trend: der Norweger-Pulli. Lange Zeit als eher altmodisch verschrien, hat sich das gestrickte Kleidungsstück in dieser Saison laut dem Deutschen Mode-Institut in Köln zu einem "Must-have" gemausert – muss man laut den Experten also haben.

Wichtig ist aber: Es ist nicht jeder Pullover aus Strick angesagt. Er braucht auffällige Muster – genau wie eben beim Klassiker unter den warmen Pullis, dem Norweger-Pullover. Die Designer setzen dabei gerne auf das mehrfarbige Garn namens Mouliné und körnige Strukturen, schreibt das Institut in seiner Trendprognose für die Saison Herbst und Winter 2017/18.

Literatur über den Norweger-Pullover gibt es kaum – nicht einmal in seinem Ursprungsland Norwegen. Laut Tone Tobiasson vom Norwegischen Textilverband begann die Geschichte der Strickerei in Norwegen aber bereits im Mittelalter. Die ältesten erhaltenen Funde stammen etwa aus dem Jahr 1500. Die traditionellen Muster sind noch relativ gut in Schuss und werden von norwegischen Designern genutzt und weiterentwickelt.

Eines der bekanntesten Muster ist das der "Setesdal lusekofte" (Setesdaler Läusejacke) und das der Fana-Jacke. Fana gehört zu Bergen, und die Region ist ebenso bekannt für ihre "Selbu-Rose", die zunächst ein beliebtes Muster für Fäustlinge war und sich zu einem der bekanntesten Motive entwickelt hat. Die Erfindung der Selbu-Fäustlinge wird Marit Emstad zugeschrieben, die als junge Frau 1857 die Kirche mit besagten Fäustlingen besucht haben soll – und für Begeisterung sorgte.

Heute gibt es über 300 eingetragene Muster für Fäustlinge, die mit der Selbu-Rose in Zusammenhang stehen. Design-Geschichte geschrieben hat auch der Marius-Sweater. Im Marius-Design gibt es laut Tone Tobiasson heute alle möglichen Produkte zu kaufen, von der Kaffeetasse bis zu Socken, Schreib- und Küchenutensilien.

Nach Angaben von Gesamtmasche, dem Gesamtverband der deutschen Maschenindustrie, ist Wolle das Material der Wahl für Norweger-Pullover. Traditionell werden grobe Wollqualitäten verwendet – anders zum Beispiel als bei den Shetland-Pullis aus feiner Wolle.

Und Wolle ist eine natürliche High-Tech-Faser: Sie wirkt klimaregulierend, hält sehr warm, und hält gleichzeitig durch den natürlichen Wollfettgehalt sogar Wasser ab. Die Feuchtigkeit des Körpers kann sie zudem viel besser aufnehmen als beispielsweise Baumwolle.

Heute sind laut Norwegischem Textilverband neben den traditionellen auch die norwegischen Schafrassen wieder gefragt. Als die industrielle Verarbeitung der Wolle zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Norwegen begann, waren die langen, dicken Haare der Oberwolle der heimischen Schafe maschinell schwierig zu verarbeiten. Dazu kam die dunkle Färbung der Tiere, die das Einfärben erschwerte. Daher wurde helle und feinere englische Wolle importiert, die nach und nach die heimische verdrängte.

Die heutige moderne Technik ermöglicht die Verarbeitung einer großen Bandbreite von Wollqualitäten. Das norwegische Schaf ist – auch im Zuge der nachhaltigen Textilproduktion – also wieder beliebt. Die Branchenzeitschrift "Textilwirtschaft" spricht nicht nur vom neuen Trend Norweger-Pulli, sondern generell von "farbenfrohen Statement-Pullis".

Da manche seit einigen Saisons wieder die Pullover mit Weihnachtsmotiven hervorholen und tragen, glaubten die Kreativen wieder an das Potenzial der gemusterten Stücke für eine ganze Saison, lautet die Einschätzung der Modeexperten der Zeitschrift. Für sie liegen sowohl die Jacquardmuster der Norweger-Pullis als auch Ringel- und Ethnomotive im Trend.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels zeigten wir einen Mann, der einen Wollpullover ohne das klassische Norweger-Muster trug. Wir haben das geändert und danken für den Hinweis.

Quelle: RP
 
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