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Häufig Ärger in Kneipe der Ex-Wirtin: Mordfall Pascal: Hauptverdächtige war Polizei gut bekannt

zuletzt aktualisiert: 01.03.2003 - 16:26

Saarbrücken (rpo). Im Mordfall Pascal ist die Polizei Saarbrücken mit neuen Details an die Öffentlichkeit gegangen. Danach ist eine der Hauptverdächtigen, eine Ex- Kneipen-Wirtin, den Behörden bereits öfter aufgefallen, da häufiger Beamte in die Kneipe gerufen worden sein.

Die "Saarbrücker Zeitung" berichtete am Samstag, entsprechende Informationen über die 50-jährige Wirtin der "Tosa-Klause" seien bestätigt worden. Um welche Vorfälle es sich handelt, wurde nicht bekannt. Christa W. sitzt zusammen mit elf anderen wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

W. war Pflegemutter und zeitweise auch Vormund des heute achtjährigen Bernhard, der von ihr sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen worden sein soll. Sie gilt als mutmaßliche Drahtzieherin des Kinderschänder-Rings, auf dessen Konto auch der Mord an Pascal gehen soll. Bernhard war ein Spielgefährte Pascals, durch seine Aussagen war die Polizei auf eine mögliche Verbindung zu Pascal gestoßen, der am 30. September 2001 verschwand. Die Suche nach seiner Leiche in der Sandgrube beim französischen Forbach soll nächste Woche wieder aufgenommen werden.

Die Zeitung berichtet, das Jugendamt habe im Januar 2001 gegen die Ex-Pflegemutter Strafanzeige wegen möglicher Kindesmisshandlung erstattet und das Kind erst in einer Betreuungseinrichtung und dann bei einer neuen Pflegemutter untergebracht. Die Ermittlungen hätten damals aber nicht zu konkreten Ergebnissen geführt.

Die Strafanzeige der Geschäftsführerin der Saarbrücker Lebenshilfe, Karla Dudler, gegen eine Jugendamts-Mitarbeiterin im November 2002 sei erfolgt, weil das Amt konkreten Hinweisen Dudlers auf Missstände jahrelang nicht nachgegangen sei, berichtet die Zeitung weiter. Das Kind habe Männer beim Vor- oder Spitznamen genannt, vor denen es Angst gehabt habe. Diese Namen decken sich der Zeitung zufolge mit den Namen einiger der Zwölf, die wegen Verdachts auf gemeinschaftlich begangenen Mord an Pascal in Untersuchungshaft sitzen. Der Sprecher des Jugendamtes sagte der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe), die Aussagen seien nicht eindeutig gewesen. "Es ging nie um sexuellen Missbrauch. Wir haben die Familie regelmäßig überprüft", sagte er.

Am Freitag verhängten Polizei und Staatsanwaltschaft eine vorläufige Nachrichtensperre, da die Preisgabe weiterer Informationen die Ermittlungen der 60-köpfigen Sonderkommission gefährden könne. Die "Saarbrücker Zeitung" berichtete, bei dem eigens eingerichteten Sondertelefon (0681/962-4646) seien bisher 50 Hinweise eingegangen.

Personelle Konsequenzen gefordert

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt sagte der "Welt am Sonntag", Fälle wie dieser bestätigten, "dass wir mit unserem Aktionsplan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung, bei dem es um Prävention und Aufklärung geht, und mit der Verschärfung des Sexualstrafrechts auf dem richtigen Weg sind". Der SPD-Sozialexperte Rolf Stöckel forderte, jeder müsse tätig werden, dem Verwahrlosung von Kindern auffalle. Die jugendpolitische Sprecherin der Saarbrücker CDU-Landtagsfraktion, Gisela Rink, forderte personelle Konsequenzen, da "unglaublich geschludert worden" sei. "Jetzt muss alles auf den Tisch", erklärte sie.


 
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