Jetzt reden die Anwälte: Moses P. gegen Naidoo - eine HipHop-Freundschaft zerbricht
zuletzt aktualisiert: 12.10.2000 - 12:18Frankfurt/Main (dpa). Die Fans sind untröstlich: Xavier Naidoo (28) und Moses Pelham (28) sind zerstritten. Die beiden sind Hauptfiguren einer Erfolgsstory im deutschen Musikgeschäft der 90er Jahre. Den Mannheimer Deutsch-Soul-Sänger Naidoo und den Frankfurter Rapper und Produzenten Pelham (einst Rödelheim Hartreim Projekt) verband nicht nur eine intensive geschäftliche Partnerschaft, sondern auch eine einst starke Freundschaft. Nun reden die beiden kein Wort mehr miteinander, lassen ihre Anwälte sprechen und treffen sich allenfalls vor Gericht.
Nur im Fernsehen gibt es in diesen Tagen Einigkeit: Dort läuft noch immer das Video zu Naidoos aktuellem Song "Seine Straßen", in dem er und Pelham wie die besten Kumpels im Auto umherfahren. Jetzt scheint die Freundschaft zerbrochen. Weil aber zwischen dem Sänger und dem Labelchef (3p) ein exklusiver Künstlervertrag fortbesteht, müssen Gerichte entscheiden. Mit allen Optionen könnte 3p den Sänger insgesamt fünf Jahre halten. Pelhams Anwalt Heinz Düx brachte es auf den Punkt: "Es ist wirklich schade, junge Leute sind gemeinsam groß geworden, und wenn sie zu Geld gekommen sind, wird gestritten."
Ungewöhnliche Klausel
Streitpunkt ist eine branchenunübliche Klausel in dem Exklusiv- Vertrag, der es Naidoo erlaubt, sein eigenes Musikprojekt Söhne Mannheims zu verfolgen. Die Mannheimer wollen ihre Songs durch eine professionelle Firma vertreiben, während Pelhams Seite sagt, der Vertrag erlaube nur den Direktvertrieb, also den "CD-Verkauf aus dem Kofferraum am Rande von Konzerten". Sollte die professionelle Vertriebsform für Songs der Söhne Mannheims zulässig sein, wäre es denkbar, dass Naidoo in Zukunft nur noch unter diesem Namen arbeitet. Dann wäre für das Plattenlabel 3p eine große Investition in die Aufbauarbeit praktisch verloren.
Pelham hatte die Firma 3p mit seinem Rödelheim Hartreim-Partner Thomas Hofmann (26) gegründet, nachdem er bei vielen Plattenfirmen angeeckt war. Das Selfmade-Unternehmen, das bis heute etwa vier Millionen Tonträger unters Volk gebracht hat, begann in einer Zwei- Zimmer-Wohnung. Pelham hatte Anfang der 90er Jahre mit "The Bastard Looking 4 The Light" ein komplettes Album produziert, das den großen Major-Firmen nicht zusagte und daher nicht veröffentlicht werden konnte. Schon damals war Naidoo mit von der Partie: Als Background- Sänger lieh er der Produktion seine Bass- Stimme.
Nur 3p wollte Naidoo
Kenner der Szene sagen, dass damals schon klar gewesen sei, dass Naidoo ein enormes Star-Potenzial hatte. Hinter vorgehaltener Hand wird auch erzählt, er habe sich fünf Jahre lang regelrecht bei Plattenfirmen beworben - und niemand wollte ihn. Bis 3p 1998 das Naidoo-Album "Nicht von dieser Welt" herausbrachte. Naidoo tourt nun durch große Hallen und zu Open-Air-Festivals und ist im Fernsehen präsent. In den Karrieren von Naidoo und Pelham finden sich also Parallelen: von den großen Firmen nicht verstanden, von 3p zum Star und zum reichen Mann gemacht.
Was ihr Zerwürfnis anbelangt, haben sich beide Streithähne zunächst selbst ein Interview-Verbot verordnet. Der Rechtsstreit ist offen und wurde vom Frankfurter Landgericht nach Mannheim verwiesen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







