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Moskau
Muskelschwund nach Jahr im All

Moskau. Untersuchung von Astronauten soll Erkenntnisse für Reise zum Mars liefern. Von Wolfgang Jung

Kraftverlust im All: Nach 5440 Erdumrundungen brauchten die beiden Astronauten Scott Kelly und Michail Kornijenko nach ihrer Rückkehr auf die Erde fremde Hilfe beim Verlassen ihrer Landungskapsel. Die Bewegungseinschränkung ist für Forscher eine wichtige Erkenntnis für Reisen zum Mars - nach fast einem Jahr in der Schwerelosigkeit schienen die Muskeln des Amerikaners und des Russen schwächer als zuvor vermutet. Beweglichkeit ist aber eine zentrale Voraussetzung etwa für eine Landung auf dem roten Planeten. Dort kann den ersten Astronauten niemand beim Aussteigen helfen.

"Der Kraftverlust des Muskel- und Skelettsystems ist das Hauptproblem", erklärt der deutsche Mediziner Jens Titze. Nach einem Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS dauere es "Wochen bis Monate" bis zur Normalität. Gravierender sei aber die psychische Belastung eines Flugs zum Roten Planeten, meint der Professor der Vanderbilt University in Nashville (US-Bundesstaat Tennessee). "Im Vergleich zu einer Mars-Mission sind Aufenthalte auf der ISS quasi kleine Probleme. Die Raumstation kreist rund 400 Kilometer über der Erde, während der Mars etwa 228 Millionen Kilometer von uns entfernt ist. Die Rückkehr nach Hause ist von der ISS also ziemlich einfach", meint Titze.

Eigentlich sollten Kornijenko und Kelly die Sojus-Kapsel eigenständig verlassen und ein spezielles Übungsprogramm absolvieren, zu dem auch Kniebeugen gehören. Nun finden die ersten medizinischen Tests für den Russen in Moskau und für Kelly in Houston (USA) statt. "Es ist eigentlich eine Drei-Jahres-Mission, da die Untersuchungen nach der Landung noch lange fortgesetzt werden", sagte ein Mitarbeiter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos der Agentur Tass. "Die Reise ist noch nicht zu Ende", erklärte auch Scott Kelly. Er ist für Wissenschaftler besonders interessant: Der Astronaut hat einen Zwillingsbruder. Für die Forschung war Mark Kelly in den vergangenen rund zwölf Monaten idealer Vergleichsproband auf der Erde. Ziel der Zwillings-Studie: Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich Weltraumreisen auf den Menschen, vor allem den Körper, auswirken.

Der deutsche Raumfahrer Thomas Reiter ist sicher, dass die Mission Erkenntnisse für eine bemannte Reise zum Mars liefert. "Natürlich kann man etwa die Belastung durch kosmische Strahlung nicht zu 100 Prozent simulieren." Die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Knochen und Muskeln sei aber zentral. So habe der deutsche Astronaut Alexander Gerst mit Training im All sogar Muskelmasse aufbauen können.

(dpa)
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