Ärger um Becker-Villa auf Mallorca: Muss Boris 50 Millionen Pesetas Strafe zahlen?
zuletzt aktualisiert: 18.03.2001 - 12:45Palma de Mallorca/Madrid (rpo). Prominenz hin, Gespräche her - die Baukommission der Ferieninsel Mallorca will Boris Becker mit seinem Luxus-Schwarzbau nicht ungeschoren davon kommen lassen.
Bis zu 600 000 Mark (50 Millionen Pesetas) Strafe drohen dem früheren Tennisstar auf der spanischen Ferieninsel wegen Verstoßes gegen das Baurecht, wie die Presse am Wochenende berichtete. Dies nährte Befürchtungen, der 33-Jährige könne angesichts des Ärgers mit den Behörden Mallorca verlassen. Vor einem Monat hatte er in Aussicht gestellt, eine Tennisschule auf der Balearen-Insel aufzubauen.
«Für uns ist Mallorca wichtiger als alle Prominenten», meinte dazu Rafael de Lacy, der Vorsitzende der Baukommission des Inselrates. Diese hatte am Freitag einstimmig beschlossen, die von der Gemeinde Arta beantragte Ausnahmegenehmigung für die Becker-Villa abzulehnen. Der 46-Jährige, der den dreimalige Wimbledonsieger persönlich kennt und, wie er sagt, auch schätzt, hat für den Beschluss ein einleuchtendes Argument: «Wenn wir jetzt eine Ausnahme machen, haben wir morgen 1000 weitere solche Anträge auf dem Schreibtisch.» Deshalb hoffe er, dass das «Nein» der Kommission auch zum Wohl Mallorcas einen Präzedenzfall geschaffen habe.
Beckers Finca Son Coll bei Arta im Osten der Insel hat eine Wohnfläche von 987,67 Quadratmetern. Das sind exakt 487,67 Quadratmeter zu viel. Denn erlaubt sind nur 500. Zwar ließ der frühere Tennisstar vier Parzellen zu einem Grundstück von 125 000 Quadratmetern zusammenfassen. Die zulässige Wohnfläche vervierfachte sich dadurch laut Gesetz aber nicht. Auf dem Areal gibt es nach Presseberichten neben dem Hauptgebäude und Unterkünften für Gäste und Personal ein Schwimmbad und eine Tennisanlage.
Artas Bürgermeister Montserrat Santandreu findet, der Inselrat hätte genügend Handlungsspielraum für eine Genehmigung gehabt. «Der ganze Fall ist politisiert worden», kritisierte er. Doch auch er weiß, dass die Abrissbirne naht. «Darüber möchte ich aber lieber nicht sprechen.» Der grüne Stadtrat Julen Adrian gab dagegen dem Bürgermeister die Schuld: «Der illegale Bau hätte von der Stadt niemals akzeptiert werden dürfen.» Becker kann nun vor das Verwaltungsgericht ziehen, aber die Chancen auf Erfolg gelten als gering. Kommissionspräsident Lacy macht den 33-Jährigen nicht für den Fall verantwortlich: «Er ist wohl nur schlecht beraten worden.»
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