"Lindenstraßen"-Star Marjan feiert 60. Geburtstag: "Mutter Beimer" mag's "nicht mehr so wild"
zuletzt aktualisiert: 09.08.2000 - 14:03München/Köln (dpa). Marie-Luise Marjan (60), "Lindenstraße"-Urgestein, will auch im fortgeschrittenen Alter nicht auf Sex verzichten. "Bloß nicht mehr so wild - und nicht mehr so oft", sagte "Mutter Beimer" anlässlich ihres Geburtstags am Mittwoch der Illustrierten "Bunte".
Insgesamt sei aber nicht Sex wichtig, sondern Erotik. "Das ist umgewandelter Sex."
In ihrer bereits 18 Jahre dauernden Partnerschaft mit ihrem Lebensgefährten dominiert offenbar Marjan. "Bodo sagt sogar 'Chef' zu mir." Der 55-jährige Beleuchter sei "mein Freund, mein Bruder, mein Geliebter und meine ganze Familie", gestand die Schauspielerin.
Als bürgerliche "Mutter Beimer" aus der ARD- "Lindenstraße" ist Marie-Luise Marjan Millionen von Fernsehzuschauern ein Begriff. Mit ihren TV-Partnern Erich und "Hansemann" erlebte die Schauspielerin, die an diesem Mittwoch (9. August) 60 Jahre wird, Höhen und Tiefen der (Fernseh-)Liebe. Ihr Traum allerdings ist eine Charakterrolle in einem Kinofilm: "Ich könnte mir durchaus vorstellen, eine gute Charakterrolle in einem Spielfilm zu übernehmen - so wie Glenn Close. Wenn es dann noch eine Liebesgeschichte wäre, umso besser. Das wäre ein Terrain, das noch zu erobern ist", sagte Marjan in einem dpa-Gespräch. "Ich verleihe der Kunst-Figur Mutter Beimer mit schauspielerischem Können zwar Leben - aber ich bin nicht Mutter Beimer. Meine Persönlichkeit hat noch viele andere Facetten."
Gerade hat Marjan ihre Autobiografie "Denk jetzt nicht, du kannst schon alles" vorgestellt. Darin erzählt sie unter anderem von ihrer reichen Bühnenerfahrung in Bonn, Karlsruhe, Bochum und Hamburg, wo sie mit Regisseuren wie Peter Zadek, Jürgen Flimm, Hans Neuenfels oder Hansgünther Heyme zusammengearbeitet hat. "Kein Mensch weiß doch, dass ich gut 20 Jahre am Theater war. Die Leute messen mich immer nur an Mutter Beimer. Es wurde mal Zeit, deutlich zu machen, dass dahinter eine ganz andere Person steckt", meint Marjan.
Ausführlich berichtet sie in der Autobiografie von ihrer Kindheit und Jugend. Nach ihrer Geburt in Essen verbrachte sie, von ihrer jungen Mutter zur Adoption freigegeben, ein Jahr im Waisenhaus. Als Sechsjährige wurde sie von ihren Pflegeeltern adoptiert, erfuhr davon jedoch erst als Sechzehnjährige durch eine Mitschülerin. Der Schock saß tief: "Papa nicht Papa? Mama nicht Mama? Und eine Wildfremde meine Mutter? Jeder, der ein Erdbeben mitgemacht hat, kann nachempfinden, was in mir vorging." Geblieben ist vorsichtige Zurückhaltung. "Eine gewisse Distanz ist mir zu eigen. Ich bin ein vorsichtiger Mensch", verrät Marjan.
Ihren Wunsch, Schauspielerin zu werden, setzte Marjan gegen den Willen der Eltern durch, machte allerdings vorher auf deren Wunsch eine Ausbildung zur Arzthelferin. Ihr erstes Engagement nach dem Besuch der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg führte sie 1960 nach Basel, ihr Rollenrepertoire reichte von der Klassik bis in die Moderne. Populär wurde sie jedoch als Fernsehdarstellerin. Auf dem Bildschirm sah man sie vor allem in Mutterrollen. Den Part der Helga Beimer in Hans W. Geissendörfers ARD-Serie "Lindenstraße" übernahm sie 1985.
Im Gegensatz zu ihren Fernsehrollen führt Marjan privat kein Leben als Ehefrau und Mutter. "Es war eine ganz bewusste Entscheidung, nicht zu heiraten und keine Kinder zu bekommen", sagt die Schauspielerin. "Ich habe gern und intensiv als Schauspielerin gearbeitet, da bleibt kaum Zeit für Familie. Heiraten können Sie, aber wann wollen Sie eine Ehe führen? In letzter Konsequenz wollte ich einfach nicht vom Theater weg, aber die Männer wollten einen immer vom Theater weglotsen." Mit ihrem Lebensgefährten pendelt die Schauspielerin zwischen Köln, dem Drehort der "Lindenstraße", und Hamburg.
Mit Kollegen und Freunden feiert Marjan ihren Geburtstag bei einer Riesen-Party in Köln. Angst vor dem Älterwerden hat die sozial engagierte Schauspielerin nicht: "Ich habe so viel zu tun, dass ich gar keine Zeit habe, darüber nachzudenken." Marjan, die Patenkinder in Indien, Sri Lanka und Vietnam hat, und sich seit zehn Jahren für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) einsetzt, wird im November erneut bei der TV-Show von "Plan International - Patenschaften für die 3. Welt" dabei sein. Der WDR hat zwei Specials mit ihr produziert, die am 15. August um 21.05 Uhr im Ersten zu sehen sind. Bei all dem Trubel sind ihr Ruhephasen wichtig. "Man muss sich immer wieder mal kleine Auszeiten gönnen, das Telefon abschalten, für sich alleine bleiben und nur tun, was einem selbst gefällt."
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