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Duisburg
Rettet Dorie!

Nach Erfolg von "Findet Dorie": Hype um Platten-Doktorfische befürchetet
FOTO: dpa, Buena Vista Disney Pixar
Duisburg. Nach dem Erfolgsstart von "Findet Dorie" befürchten Tierschützer einen Hype um die anspruchsvollen Paletten-Doktorfische. Von Beate Wyglenda

Sie ist blau, vergesslich und der Hingucker auf den Kinoleinwänden. Allein am ersten Wochenende hat die Paletten-Doktorfisch-Dame Dorie nach Hochrechnungen 875.000 Besucher in die Kinos gelockt. Damit legte der Pixar-Animationsfilm "Findet Dorie" den besten Start des deutschen Kinojahres 2016 hin. Nach dem Run auf die Kinosäle rechnen Tierschützer und -händler nun auch mit einem Ansturm auf Zoofachgeschäfte. Denn kaum ist ein gefiederter, fellbesetzter oder schuppiger Held in einem Film zu sehen, bricht ein neuer Haustiertrend aus. Das war schon vor mehr als 70 Jahren so, als nach dem Filmklassiker "Lassie Come Home" (Heimweh) das Kaufinteresse für schottische Langhaarcollies hochschnellte. Das war auch in den 90ern der Fall, als dank der Ninja-Turtles rund eine Viertelmillion junger Rotwangenschildkröten aus Lateinamerika erst in Terrarien und dann vielfach in europäischen Gewässern landete. Gar vom "Ratatouille-Effekt" spricht Manfred Hees vom Bund deutscher Tierfreunde mit dem Nachfragehoch nach Ratten im Jahr 2007. "Den stärksten Haustierboom gab es aber nach 'Findet Nemo', als derart viele Kinder einen Clownfisch haben wollten, dass die Nachzucht verstärkt werden musste, um die Nachfrage zu bedienen", sagt er.

Einen ähnlichen Hype erwartet Hees nun auch um Nemos Freundin Dorie. In den USA ist er seit dem Kinostart im Juni bereits im Gang. Dabei betont Norbert Zajac, Inhaber des weltweit größten Zoogeschäfts mit Sitz in Duisburg: "Paletten-Doktorfische sind weder für Kinder noch für Aquaristikanfänger geeignet." Denn während Clownfische wie Nemo zeitlebens klein bleiben, werden Paletten-Doktorfische bis zu 30 Zentimeter groß und bis zu 30 Jahre alt. Zudem sind die azurblauen Exoten Schwarmtiere und müssen in einer Gruppe von mindestens fünf, besser sieben bis neun Fischen gehalten werden. Auch die Ansprüche an die Wasserqualität sind hoch. Das Aquarium muss mindestens 1000 Liter Salzwasser fassen und mit aufwendiger Technik versehen sein. Für den regelmäßigen und komplizierten Wasseraustausch ist ein Zweitaquarium sinnvoll. "Mit 3000 bis 5000 Euro müssen Interessenten schon rechnen", sagt Zajac. "Das hat nichts mit dem Film zu tun, in dem Fische in einem Goldfischglas gehalten werden."

Entsprechend viel Beratungsarbeit muss der Tierhandel leisten. Verkauft werden die pflegeintensiven Fische nicht an Anfänger. "Wir betreiben einen Riesenaufwand, um die Tiere gesund zu halten und zu schützen, da werden wir sie nicht an jemanden verkaufen, der sich keine Gedanken darüber macht, wie anspruchsvoll die Pflege ist", betont Zajac. Andere Fachgeschäfte nähmen die Fische, solange der Hype anhält, gänzlich aus dem Programm. Manfred Hees begrüßt die Entscheidung. "Die Fachhändler betonen einstimmig, marine Zierfische sind keine Spielzeuge."

Mehr Sorgen machen ihm allerdings illegale Internet- und Amateurhändler, die auf den Zug aufspringen wollen. "Das kann nicht nur für die einzelnen Tiere, sondern auch für deren ganzen Lebensraum verheerende Folgen haben", bestätigt Britta König von der Umweltorganisation WWF. Denn anders als Anemonenfische, zu denen Nemo gehört, lassen sich Paletten-Doktorfische nicht in Gefangenschaft vermehren - mit einer Ausnahme: Im Juli dieses Jahres ist dies Züchtern aus Florida erstmals gelungen. "Bis solch eine Nachzucht im Handel verkauft werden kann, dauert es jedoch noch Jahre", sagt König. Bislang sind nur Wildfänge erhältlich.

Seriöse Fangstationen setzten dabei auf Handnetze, mit denen einzelne Paletten-Doktoren schonend im Indopazifik gefangen werden. Floriert jedoch der Schwarzmarkt, so befürchten Tierschützer, dass die inzwischen verbotene, aber noch praktizierte Fangmethode mit Cyanid neuen Aufschwung erlebt. Dabei werden die Fische mit der milchigen Blausäure betäubt, um sie leichter fangen zu können. Übertreibt ein Taucher es mit dem Gift, stirbt der Fisch sofort. Viele weitere verenden beim Transport. "Schätzungsweise 80 Prozent der so gefangenen Paletten-Doktorfische überleben die Reise vom Riff bis ins Aquarium nicht", verdeutlicht König. "Noch schlimmer ist aber, dass sich die Blausäure auch über die Riffe ausbreitet und sie schädigt."

Im Aquazoo Sea Life Oberhausen freut man sich über die Begeisterung der Kinder, versucht aber mit den Themenwochen "Helden der Meere" (bis 13. November) rund um Dorie, Nemo und ihre Freunde auch aufzuklären.

Quelle: RP
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