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Zuständigkeiten in Krisen nicht hinreichend geklärt: Nach Zugunglück fordert Minister neues Katastrophenschutzrecht

zuletzt aktualisiert: 14.09.2002 - 11:58

Hannover (rpo). Der niedersächische Umweltminister Wolfgang Jüttner (SPD) hat nach dem schweren Zugunglück in Bad Münder weitreichende Konsequenzen gefordert. Es müsste ein neues Katastrophenschutzrecht geschaffen werden, indem die Zuständigkeiten in Krisensituationen klar geregelt werden, so der Minister.

"Im normalen Verwaltungsalltag laufen die Zuständigkeiten in Deutschland problemlos, aber für Krisensituationen sind sie nicht hinreichend", sagte er der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Samstag. Informationspolitik und Koordinierungsarbeit von Bundesbehörden und Bahn seien "höchst unglücklich" gewesen. Bei dem Frontalzusammenstoß zweier Güterzüge war ein Kesselwagen explodiert. Hochgiftige, krebsverdächtige Stoffe waren ausgetreten.

Auch Tage nach dem Unfall vom Montag klagten mehr als 120 Menschen über Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen und Atemwegreizungen. Gutachter teilten jedoch mit, dass nach vorliegenden Luftmessungen für die Bevölkerung im Umkreis der Unglücksstelle keine Gesundheitsgefahr mehr bestehe. Bei dem Unglück war das Krebs erregende Epichlorhydrin ausgetreten. Der erste schwere Unfall mit diesem Nervengift in Deutschland ereignete sich vor 13 Jahren bei der Havarie des niederländischen Frachters "Oostzee" vor Brunsbüttel. Seitdem sind nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei einige der Helfer an Krebs gestorben.

Nach Ansicht des Toxikologen Torsten Binscheck von der Medizinischen Hochschule Hannover droht der Bevölkerung aber keine langfristige Gesundheitsgefahr durch Epichlorhydrin. "Das Ausmaß der Folgen für den Menschen ist eine Frage der Dosis", sagte der Experte in einem dpa-Gespräch. Unter freiem Himmel könnten die Konzentrationen der Stoffe keine Besorgnis erregende Höhe erreichen. "Brennende Augen, Kopfschmerzen und Reizungen der Atemwege sind unangenehm, haben aber keine dauerhaften Konsequenzen", sagte Binscheck. Die Beschwerden würden nach kurzer Zeit abklingen.

Ursache für den Unfall waren nach Angaben des Eisenbahnbundesamtes versagende Bremsen. Wie das geschehen konnte, ist noch unklar. Experten des Bundesgrenzschutzes waren auch am Wochenende mit Ermittlungen vor Ort beschäftigt. Erst wenn die Staatsanwaltschaft die Unglücksstelle frei gibt, kann mit den Aufräumarbeiten begonnen werden.

Quelle: RPO Archiv

 
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