Opfer erholt sich nach Gefangenschaft: Natascha nutzt ihre Freiheit zum Lesen und Schreiben
zuletzt aktualisiert: 29.08.2006 - 21:23Wien (rpo). Nach ihrer jahrelangen Gefangenschaft in einem Kellerverlies nutzt die 18-jährige Natascha ihre neu gewonnene Freiheit, um zu lesen, zu malen und ihre Zukunft zu planen. Laut ihrem Anwalt Günter Harrich äußerte sie den Wunsch, einen Ausbildung zu absolvieren. Harrich beschreibt die 18-Jährige als eine zarte und intelligente Frau.
Der Wiener Rechtsanwalt Harrich erklärte, er wolle ich dafür einsetzen, dass die junge Frau "in fünf Jahren halbwegs vernünftig leben kann". Er stellte bereits einen Antrag nach dem Verbrechensopferhilfegesetz, damit Kampusch eine Entschädigung erhält und ihre Therapiekosten ersetzt bekommt. Er will sie auch zu den Befragungen durch das Bundeskriminalamt (BK) begleiten, "um darauf zu schauen, dass die Vernehmungen nicht zu sehr ihren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzen", wie die Nachrichtenagentur APA berichtete.
Auf Wunsch seiner Mandatin kaufte er ihr einige Kosmetika. Weil Kampusch derzeit über kein Geld verfügt, sprang der sie betreuende Kinder- und Jugendpsychiater Max Frisch mit einer kleinen Summe ein.
In der spitalähnlichen Einrichtungen, in der Natascha zurzeit untergebracht ist, kann sie viel mit Gleichaltrigen sprechen. Österreichischen Medien zufolge soll die Befragung der jungen Frau am Mittwoch an einem geheimen Ort fortgesetzt werden. Die Ermittler erhoffen sich neue Aufschlüsse. Natascha Kampusch solle später laut Medienberichten in eine betreute Wohnung übersiedeln und weiterhin psychologischen Beistand erhalten.
Das BK erklärte am Dienstag, die Arbeit im Haus des Entführers werde wohl noch einige Tage dauern. Gesucht werde nach möglichen weiteren, in den Bauplänen nicht verzeichneten Hohlräumen. Gefunden wurden bisher keine. Zwölf Beamte seien noch immer damit beschäftigt, Spuren zu sichern. In dem Haus und in dem Verlies unter der Garage seien zahlreichen Unterlagen beschlagnahmt worden. Einen Termin für eine weitere Befragung von Kampusch gab es nicht.
Über 70 Presseanfragen
Das Entführungsopfer hat inzwischen auch einen PR-Berater, bei dem über 70 Anfragen internationaler Medien eingingen. Die Anfragen, die hauptsächlich aus Europa, aber auch aus den USA und dem asiatischen Raum kommen, betreffen hauptsächlich ein Interview mit Kampusch und aktuelle Fotos der 18-Jährigen, wie der PR-Berater Dietmar Ecker erklärte. Er werde die Anfragen sammeln und dann mit seiner Kundin besprechen.
Das österreichische Justizministerium plante unterdessen strengere Strafen für drastische Fälle von Freiheitsentziehung. "Wir haben bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Lücke zwischen erpresserischer Entführung und bloßer Freiheitsentziehung schließen soll", sagte der Sprecher von Justizministerin Karin Gastinger am Dienstag der APA. Hätte der Entführer von Kampusch sich nicht nach deren Flucht in der vergangenen Woche das Leben genommen, hätten ihm bei einer Verurteilung höchstens zehn Jahre Haft gedroht, da er keine Lösegeldforderungen stellte.
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