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Berlin
Neubauer beendet dreijährige Filmpause

Berlin. Die 54-Jährige zählte zu den meistbeschäftigten Schauspielerinnen des Landes. Dann zog sie sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sich neu zu orientieren. Sie reiste durch Chile, ließ sich scheiden und fand eine neue Liebe. Fast wie im Film. Von Jörg Isringhaus

Wenn sie noch einmal einen Film mit einer Frau sehe, die eigentlich 50 ist, aber 35 sein soll und eine Farm in Afrika aufmache, dann hole sie das Maschinengewehr, sagte Regisseurin Doris Dörrie einmal in einem Interview. Auf wen diese Häme abzielte, war unmissverständlich: Christine Neubauer, meistbeschäftigte Schauspielerin im deutschen Fernsehen, häufig in Familien-Rührstücken und Liebesschmonzetten. Allein 2009 und 2010 brachte sie es auf mehr als 110 Filme pro Jahr. Keine Frau war häufiger im Fernsehen zu sehen. Die Betonung liegt auf "war", denn Neubauer verordnete sich als Darstellerin eine dreijährige Fernsehabstinenz. Die ist mit dem heutigen Tag und der Tragikomödie "Maria, Argentinien und die Sache mit den Weißwürsten" (ARD, 20.15 Uhr) vorbei. "Von Überpräsenz kann keine Rede mehr sein", sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur.

Auf dem Bildschirm zu sehen war die 54-Jährige während ihrer Auszeit natürlich schon - allein im ersten Halbjahr 2015 kam die Schauspielerin laut einer Auswertung von media control auf mehr als 7000 Sendeminuten. Nur mit Wiederholungen. In ihrem ersten neuen Film nach der Pause ist Neubauer nun in einer für sie untypischen Rolle unterwegs, als verhärmte, vom Leben vernachlässigte, grantige Metzgerin. Meist musste die Münchnerin in die Rollen von Frauen schlüpfen, die fern der Heimat (Afrika!) sich selbst und dabei die große Liebe finden. In ihrer Arbeitspause scheint ein Umdenken stattgefunden zu haben, was die künstlerischen Stoffe angeht - es sei ein "Schauspielstück", mit dem sie jetzt zurückkomme, sagte sie.

Ihre Auszeit nutzte Neubauer, um ihr Leben neu zu sortieren. Kurioserweise scheint das Drehbuch dafür aus einer ihrer Schmonzetten zu stammen. Denn in den vergangenen Jahren ließ sie sich nicht nur von Sportmoderator Lambert Dinzinger (60) scheiden und verliebte sich neu, in den Chilenen José Campos (49), sie reiste auch 3000 Kilometer durch Chile. Selbstfindung, Umbruch, Neuanfang als Ergebnis einer Krise in der Lebensmitte - wundern würde es nicht, wenn Neubauer demnächst sich selbst spielen würde. Dazu passt, dass die Scheidung von Dinzinger nicht einvernehmlich verlief, die ehemaligen Partner trugen ihren Rosenkrieg öffentlich aus, vor Gericht wurde über Unterhalt verhandelt. Außerdem habe sie durch die Trennung den Kontakt zu ihrem Sohn verloren, erzählte Neubauer der Berliner "B.Z.".

Die Münchnerin lebt hauptsächlich auf Mallorca, nicht weit von der Hauptstadt Palma entfernt. An den schwierigen Phasen der vergangenen Jahre sei sie gewachsen, erzählt die Schauspielerin, sei stärker geworden, selbstbewusster. Sie habe versucht, etwas von der lässigen südamerikanischen Mentalität zu übernehmen, spricht mittlerweile auch fließend Spanisch. "Die Menschen dort sind sehr offen, impulsiv und warmherzig. In Deutschland halten die Menschen erstmal Abstand voneinander", sagte Neubauer. Aber sie sei grundsätzlich ein Mensch, "der offen gegenüber anderen ist - auch wenn ich schon schlechte Erfahrungen gemacht habe".

Neubauer besuchte die Schauspielschule in München und das Lee Strasberg Institute in New York. Mit der TV-Serie "Die Löwengrube" gelang ihr in den 80er Jahren der Durchbruch. Sie spielte die Rolle der Traudl Grandauer und erhielt dafür einen Grimme-Preis. Neubauer hatte auch etliche Gastauftritte in anderen Serien ("Weißblaue Geschichten", "Der Bergdoktor") und übernahm die Hauptrolle in der Reihe "Die Landärztin". Vor allem aber war sie in Filmen der ARD-Produktionsfirma Degeto zu sehen.

Auch als Autorin ist die Darstellerin aktiv, hat mehrere Bücher zum Thema Ernährung und Abnehmen verfasst. Allesamt führen sie das Wort "Vollweib" im Titel - vor diversen Diäten bezeichnete sich Neubauer gerne selbst so. Auch das mag Kollegen wie Dörrie in Verbindung mit der Bildschirmpräsenz aufgestoßen sein. Neubauers Konter: Neid müsse man sich in der Branche offensichtlich hart erarbeiten.

Quelle: RP
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