"Die DDR ist raus": Nostalgie: Palast der Republik öffnet vorübergehend
zuletzt aktualisiert: 02.07.2003 - 18:01Berlin (rpo). Der Berliner Palast der Republik wird nach 13 Jahren wieder für Besucher geöffnet. Einen knappen Monat lang können Interessierte den noch übrig gebliebenen Rohbau besichtigen.
An die gläserne Blume im Palast der Republik erinnert nur ein brauner Stumpf, der aus dem nackten Beton im Foyer ragt. Das einstige Wahrzeichen im "Haus des Volkes" in Berlin liegt heute verpackt in einem Lager.
Im Palast am Schlossplatz gibt es nach jahrelanger Asbestsanierung nur noch kalten Stahl und Beton. Wände sind herausgerissen, Rolltreppen ausgebaut - ein sauber gefegtes Gerippe ist geblieben. Aus den Treppen vor dem Haupteingang sprießt Unkraut. Ende 1990 hatten sich wegen des Asbestes die Türen für die Öffentlichkeit geschlossen.
Nach 13 Jahren wird "Erichs Lampenladen" wieder für Besucher geöffnet. "Das Interesse ist riesengroß, die Karten sind ausverkauft", sagt der Geschäftsführer von Partner für Berlin, Friedrich-Leopold von Stechow, der die Führungen im Rahmen des Sommer-Kulturprogramms "Schaustelle Berlin" organisiert hat. "Die DDR ist raus - jetzt bekommen die Berliner ein transparentes Gebäude", sagt Architekt Stefan Rethfeld von der Initiative für eine Zwischennutzung des Palastes.
Nur in diesem Monat können Nostalgiker und Interessierte einen Blick in den Saal der DDR-Volkskammer werfen, in dem die Abgeordneten die deutsche Einheit beschlossen. Im Großen Saal auf der gegenüberlegenden Seite können sie ahnen, wo sich das Volk bei Tanz und Konzert amüsierte. Dort inszenierte SED-Chef Erich Honecker seine Parteitage.
Der Abriss des DDR-Statussymbols ist beschlossene Sache. Vor einem Jahr besiegelte der Bundestag das Aus für den jetzt mit Brettern abgesperrten Bau im Herzen der Hauptstadt. Die Diskussion um den Umgang mit DDR-Vergangenheit ist nicht verstummt. Angesichts der hohen Kosten ist unklar, wann der Neubau mit der barocken Fassade des 1950 gesprengten Stadtschlosses entsteht. Es soll als Museum, Bibliothek und für Veranstaltungen genutzt werden.
"Wie blöd sind wir eigentlich, dass wir immer wieder die gleichen Fehler wie die Bilderstürmer machen?", fragt Schauspielerin Vera Oelschlegel am Mittwoch bei einem Presse-Rundgang. Damit lasse sich Ideologie nicht beseitigen. Sie war Intendantin des "TiP"-Theater im Palast und ist seit ihrem Brecht-Abend in dem Theater unterm Palast- Dach im Herbst 89 nicht mehr hier gewesen. "Der Geist von Heiner Müller, Günter Grass und Friedrich Dürrenmatt schwebt aber noch hier" sagt sie lächelnd. "Ich habe Schwierigkeiten mit einem Abriss."
Der Historiker Bruno Flierl sagt, statt kritischer "Bewahren im Widerspruch und Auseinandersetzung solle Geschichte entsorgt werden. "Nicht wegen Asbest, sondern politischer Kontaminierung."
Der Architekt des Großen Saales, Manfred Prasser, freut sich, dass der von 1973 bis 1976 gebaute Palast geöffnet wird. "Er war viel zu lange tot." Er schwärmt noch heute von den technischen Finessen. "Es ist ein Haus, das Menschen gebaut haben und nicht Erich Honecker", sagt der 70-Jährige. "Ich bin stolz auf meine Arbeit."
Der leere Palast weckt jede Menge Wünsche. Die Anfragen reichten von der Hochzeitsfeier bis zur Wagner-Oper, sagt Rethfeld. Der Verein will zur Sicherung von "Europas interessantester Rohbaustelle" 1,2 Millionen Euro von Sponsoren einsammeln. Der Bund habe die Öffnung bisher nicht erlaubt. Selbst wenn der offizielle Segen kommt: "Ende 2006 ist Schluss, das ist das klare Ende", fügt Rethfeld hinzu.
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