Oberbürgermeister: "Überschattete Wies'n": Oktoberfest in München findet statt
zuletzt aktualisiert: 14.09.2001 - 14:17München (rpo). Das Oktoberfest in München wird trotz der Anschläge in den USA planmäßig stattfinden. Das hat der Ältestenrat der Stadt in einer Sondersitzung entschieden.
Die Entscheidung gelte aber nur unter Vorbehalt, teilte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nach der Sitzung des Gremiums mit. So dürfe sich die internationale Sicherheitslage mit Blick auf einen möglichen Vergeltungsschlag der USA nicht verändern. Bei anderen großen Veranstaltungen in Deutschland kündigten die Verantwortlichen Programmänderungen an, wieder andere wurden wegen der tragischen Ereignisse komplett abgesagt.
"Wir dürfen es dem Terror nicht überlassen, das Leben komplett lahm zu legen", sagte Ude. Um ein Zeichen der Trauer zu setzen, wird jedoch auf den traditionellen Einzug der Wies´n-Wirte mit dem Anzapfen des ersten Bierfasses durch den Oberbürgermeister verzichtet. Zudem ist ein Trauergottesdienst sämtlicher beim Oktoberfest Beschäftigten geplant.
Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) sieht derzeit keine besondere Bedrohung des Oktoberfestes, das bis zum 7. Oktober dauern soll. Er forderte allerdings schärfere Sicherheitsvorkehrungen. "Wir werden mit der einen oder anderen Bombendrohung zu rechnen haben." Bei einem Vergeltungsschlag der Nato müsse die Situation neu bewertet werden. Der Münchner Polizeipräsident Roland Koller sagte: "Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es aber nicht."
"Life must go on", kommentierte die Chefin des Münchner Fremdenverkehrsamts, Gabriele Weishäupl die Entscheidung. In zahlreichen E-Mails hätten sich auch US-Bürger für ein Stattfinden des Festes ausgesprochen. Erleichtert reagierten auch die Oktoberfestwirte auf die Empfehlung des Ältestenrates. "Ehrlich gesagt bin ich froh, dass die Wies´n statt findet", sagte der Präsident des Bayerischen Gaststätten- und Hotelverbandes.
Auch die Veranstalter des Cannstatter Volksfestes in Stuttgart, das am gleichen Tag wie das Oktoberfest beginnen soll, denken über Änderungen im Programm nach - eine Eröffnungsfeier ohne "große Spektakel" oder ein Ausfall des Großfeuerwerks. Es wird überlegt, die eingesparten Mittel zu spenden. "Das Geld wäre dann vielleicht bei den Feuerwehrleuten in New York gut angelegt", sagte Tourismusdirektor Klaus Lindemann. Viele Gäste aus den USA hätten Stornierungen rückgängig gemacht. Beim zweitgrößten Volksfest in Deutschland werden rund 30 000 Amerikaner erwartet.
Vom Norden bis in den Süden Deutschlands wurden Sonderaktivitäten bei Veranstaltungen oder auch ganze Feste abgesagt. So verzichtet die Gartenschau in Kaiserslautern auf Sonderveranstaltungen. Das jährlich von 200 000 Menschen besuchte Schweriner Altstadtfest wurde komplett abgesagt, und auch die Deutsche Weinwoche in Kiel findet angesichts der Terroranschläge nicht statt.
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