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Düsseldorf
Opa allein zu Haus

Düsseldorf. Neue Technik ermöglicht es alten Leuten, lange zu Hause zu wohnen - doch das schafft neue Herausforderungen.

Wer dement ist, vergisst nicht nur, wohin er seine Brille gelegt hat. Er vergisst auch Dinge, die fürs Überleben notwendig sind. Trinken zum Beispiel. Ist so jemand nicht ein Fall fürs Seniorenheim? Nicht unbedingt, zeigen Forscher der Technischen Universität. Seit 2012 befassen sie sich in ihrem Projekt "Opdemiva" (Optimierung der Pflege demenzkranker Menschen durch intelligente Verhaltensanalyse) mit der Frage, wie es demenzkranken Menschen ermöglicht werden kann, länger zu Hause zu wohnen. Sie haben dafür ein 3D-Sensorsystem entwickelt, das in eine Wohnung eingebaut werden kann und den Demenzkranken begleitet, seinen Tagesablauf erfasst und ihn, falls nötig, erinnert. Und wenn es nur darum geht, einfach mal eine Pause einzulegen.

"Ambient Assisted Living" (AAL) oder "Technology For Independent Living" heißen Systeme und Technik, die dafür sorgen sollen, dass alte Menschen nicht sofort ein Fall fürs Heim werden oder intensive Betreuung brauchen, sobald einige Dinge nicht mehr so klappen.

Wie so eine Wohnung aussehen könnte, zeigt nicht nur das Projekt aus Chemnitz. In Tübingen lässt sich das "LebensPhasenHaus" besichtigen, ein Projekt der Uni und der Uni-Klinik Tübingen und Partnern, in dem auch eine Musterwohnung eingerichtet ist. Das Licht schaltet sich bei Bewegung automatisch ein, das senkt das Risiko für Stürze. Der Herd schaltet sich selbst aus, im Bad gibt es einen Lift. Das Pflegebett klappt sich von selbst auf und hilft beim Aufstehen. Über den Fernseher lässt sich Kontakt zu einem Mediziner herstellen. Die Eingangstür öffnet sich über einen Fingerabdruck-Scanner. So muss niemand eine schwere Haustür aufziehen. Es gibt noch viele andere technische Möglichkeiten, an denen Forscher weltweit arbeiten. Fußböden, die Stürze erkennen, per Funk steuerbare Steckdosen, einen Sessel, mit dem man rudern und seinen Fortschritt auf dem Fernseher betrachten kann, Gebäudesteuerung über Smartphone und iPad oder sogar über Laute. "Defizite gibt es weniger in der Technik als in den Geschäftsmodellen", sagt Thomas Norgall, Sprecher der Fraunhofer AAL Alliance, "es gibt ein Kosten- und Informationsproblem."

Wie dieses Geschäftsmodell genau aussieht, das müsse noch geklärt werden, sagt Thomas Heimer, Professor für Innovationsmanagement an der Hochschule RheinMain in Rüsselsheim. Kümmern sich Einrichtungen wie die Caritas um die Technik oder braucht es dafür ganz neue Einrichtungen?

Er sieht aber noch eine andere Herausforderung - den Konflikt zwischen Nutzern und Technik. Er fordert deshalb: "Man muss den Leuten über die Konfiguration den vollen Zugriff auf die Systeme, auf die Konfiguration geben." Oder anders ausdrückt: "Roboter dürfen nicht petzen, wenn der Nutzer es ihnen nicht vorher erlaubt hat."

(seda)
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