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Stanford
Opfer-Brief an Sextäter bewegt die USA

Stanford. Sexuelle Gewalt ist an US-Universitäten ein großes Problem. Ein Fall in Kalifornien macht jetzt Schlagzeilen. Der Täter kommt mit einer milden Strafe davon. Das Opfer meldet sich in einem bewegenden Schreiben zu Wort. Von Barbara Munker

Mit ergreifenden Worten an den Täter hat eine sexuell missbrauchte Frau in den USA Herzen und Gemüter bewegt. CNN-Journalistin Ashleigh Banfield las die Erklärung der 23-jährigen Frau in ihrer Sendung "Legal View" vor. Sie beginnt mit den Worten: "Du kennst mich nicht, aber du warst in mir, und deshalb sind wir heute hier."

Der zwölfseitige Text ist an den 20-jährigen Täter gerichtet, das Opfer trug ihn vorige Woche vor einem Gericht im kalifornischen Santa Clara vor. Der Fall von sexueller Gewalt auf dem Campus der Elite-Universität Stanford und der anschließende Prozess, der mit einer milden Strafe für den Täter endete, sorgt in den USA seit Tagen für Aufregung. Mehr als 500.000 Menschen hatten bis Dienstagabend eine Online-Petition unterzeichnet, in der die Amtsenthebung des zuständigen Richters gefordert wird.

Sein umstrittenes Urteil: Sechs Monate Haft für den ehemaligen Stanford-Studenten und Schwimmsportler Brock Turner, der vor der Tat noch als Olympia-Hoffnung galt. Das sei als Strafe ausreichend, hatte Richter Aaron Persky (54) vorige Woche geurteilt. Die Anklage hatte in dem Prozess mindestens sechs Jahre Gefängnis gefordert.

Turner und sein Opfer hatten sich in der Tatnacht im Januar 2015 auf einer Verbindungsparty kennengelernt - und viel Alkohol getrunken. Sie habe sich an nichts mehr erinnern können, als sie auf einer Trage in einem Krankenhaus aufwachte, erklärt die Frau in ihrem Statement. Man habe ihr gesagt, sie sei bewusstlos und halb nackt hinter Mülltonnen auf dem Campus gefunden worden. Turner gab später an, die Frau habe in den Sex eingewilligt.

Zwei Wochen nach dem "schrecklichen Vorfall" habe Turner Campus-Verbot erhalten, teilte die Elite-Uni mit. Er wurde von der Universität und von seinem Schwimmteam ausgeschlossen. In Kalifornien wird er auch nach Absitzen der Haftstrafe lebenslang als Sex-Täter geführt.

Für Turners Freunde und Angehörige ist das Strafe genug. In einem Brief an den Richter bat sein Vater um ein mildes Urteil. Sein Sohn sei ständig deprimiert, habe keinen Appetit mehr und all seine Lebensträume seien geplatzt. Eine Haftstrafe sei "ein hoher Preis für eine 20-Minuten-Aktion", schreibt der Vater.

Der Richter sah das anscheinend ähnlich. Eine längere Haftstrafe könnte ernsthafte Folgen für den Täter haben, erklärte er. Über die Folgen für sich schrieb das Opfer: "Dein Schaden ist greifbar; Auszeichnungen, Abschlüsse und Studium sind weg. Mein Schaden ist innerlich, unsichtbar, ich trage das mit mir herum. Du hast meinen Wert weggenommen, meine Privatsphäre, meine Energie, meine Zeit, meine Sicherheit, meine Intimität, mein Vertrauen, meine eigene Stimme, bis heute."

(dpa)
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