Messe unter freiem Himmel in Plowdiw: Papst spricht Priester selig
zuletzt aktualisiert: 26.05.2002 - 11:57Plowdiw (rpo). Zum Abschluss seines ersten Besuchs in Bulgarien hat Papst Johannes Paul am Sonntag drei Priester selig gesprochen, die vor 50 Jahren von den Kommunisten hingerichtet wurden.
Das Oberhaupt der katholischen Kirche hielt im Zentrum der bulgarischen Stadt Plowdiw eine Messe unter freiem Himmel. Die drei Priester Kamen Witschew, Iosafat Schischkow und Pawel Dschidschkow wurden 1952 verhaftet, gefoltert und von einem Gericht wegen Spionage zum Tode verurteilt. Die Kleriker gehörten zum Umkreis von Bischof Jewgeni Bosilkow, der ebenfalls hingerichtet und vor fünf Jahren selig gesprochen wurde. Die Seligsprechung ist eine Vorstufe zur Heiligsprechung.
Einwohner von Plowdiw jubelten dem Papst zu und winkten mit bulgarischen Fähnchen. Die Messe fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Auf den Dächern rings um den Platz waren Scharfschützen postiert. Anwohner und Hotelgäste wurden gewarnt, es könnte lebensgefährlich sein, wenn sie entgegen den Bestimmungen versuchen sollten, ein Fenster zu öffnen.
Der von Krankheit und Erschöpfung gezeichnete Papst hatte am Samstag das Kloster Rila im Süden des Landes besucht. Dort erwies er dem größten Heiligtum der orthodoxen Christen in Bulgarien seine Reverenz. Am Grab des bulgarischen Schutzheiligen Iwan Rilski würdigte Johannes Paul die Arbeit der orthodoxen Nonnen und Mönche. Dies sei ein "großes Geschenk für die gesamte Kirche". Den weitaus größten Teil der Ansprache trug ein Helfer vor.
Der Besuch in Rila galt als Ausdruck des päpstlichen Wunsches, die tausend Jahre alten Differenzen zwischen Rom und der Orthodoxie zu überbrücken. Der orthodoxe Metropolit Simeon würdigte den Einsatz und die Ziele des Papstes. Mit Blick auf seine körperliche Verfassung erklärte Simeon jedoch: "Jemand in seiner Umgebung sollte ihm sagen, dass er damit aufhören muss."
In der Hauptstadt Sofia traf Johannes Paul mit Ministerpräsident Simeon Saxcoburggotski sowie Vertretern der muslimischen Gemeinschaft zusammen. In Bulgarien leben rund 80.000 Katholiken, die meisten von ihnen in Plowdiw und Umgebung.
Begonnen hatte die 96. Auslandsreise des Papstes mit einem eintägigen Besuch in Aserbaidschan. Trotz seiner körperlichen Schwäche werde Johannes Paul an seinen weiteren Reiseplänen festhalten, teilte am Samstag Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls mit. Im Juli steht eine Reise nach Kanada, Mexiko und Guatemala auf dem Programm. Im August wird Johannes Paul erneut in seinem Heimatland Polen erwartet, und für September wird eine Reise nach Kroatien vorbereitet.
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