Galliano zwischen Afrika und Hollywwod: Paris: Die Fantasiewelten von Dior und Versace
zuletzt aktualisiert: 09.07.2002 - 15:30Paris (rpo). Paris (rpo). Tiefe Einblicke gab's bei Versace während der Pariser Modenschauen zu bewundern. Donatella Versace freute sich - vielleicht gerade deswegen - über eine gelungene Präsentation.
Kein Modeschöpfer lebt seine Fantasien auf dem Laufsteg so offensiv aus wie John Galliano. Seine neue Kollektion für Dior entführte die Zuschauer in eine Traumwelt zwischen Afrika und dem Hollywood der Marilyn Monroe. Viel handfester dagegen Donatella Versace: Weiblichkeit ist ihr Credo - die sie in allen ihrer Entwürfe zu betonen versucht. Dabei griff sie diesmal auf die Zeit des Rokokko zurück.
Versace zeigte Korsettagen à la Madame Pompadour. Es fehlte allerdings der lange Rock. Donatella kombinierte die oft aus Brokat geschneiderten Bustiers mit kurzen goldenen Rüschenröckchen oder Super-Minis aus Plissee. Zu sehen waren Patchwork-Kleider und -Mäntel aus hellen, bunten Farben. Spektakulär ein grünes Pelzkleid mit Spitzeneinsätzen im Rock, das körperbetonte blaue Lederkleid mit schräg eingenähtem Reißverschluss von oben bis unten sowie einer Kapuze aus Plüsch.
Stars wie George Michael, Liz Hurley und Puff Daddy - begleitet von einer rassigen Schönheit - saßen bei der Show fast auf den Tag genau fünf Jahre nach der Ermordung von Donatellas Bruder Gianni Versace (15. Juli 1997) im Publikum. Die Designerin zeigte elegante Abendroben: ein beiges Paillettenkleid mit federgeschmücktem Saum, ein Kleid genäht aus vielen blauen Stoffrauten - mit Plissee-Einsätzen am Rock oder ein Brokatkleid mit Rüschensaum. Brokat in verschiedenen Farbtönen verwendete Donatella Versace übrigens auch für Hosenanzüge und kurze Kleider.
Dagegen war John Gallianos Show eine einzige Orgie aus Federn und Pelz. Mit einigen Kleidern erinnerte der Dior-Designer an den Filmklassiker "Im verflixten siebten Jahr" mit Marilyn Monroe: Windmaschinen bliesen die Röcke hoch und machten den Blick frei auf bunte Feder-Unterröcke. Fast komplett aus roten, schwarzen und grünen Federn - eine Abendrobe mit weitem Rock und einem Oberteil mit hohem Rollkragen. Zu einem dunkelgrünen Cape mit Federkragen zeigte der 41-Jährige ein Kleid im Leopardenlook. Das Gesicht eines Leoparden schmückte auch die Vorderseite eines Hemdes, darunter trug das Model einen einteiligen, braunen Hosenanzug.
Umstrittene Entwürfe
Gallianos Entwürfe sind umstritten, seit der Engländer 1996 die Haute Couture bei Dior übernahm. Auch diesmal stießen seine Büstenhalter aus Aluminium, die Metall-Oberteile zu kurzen Röcken und der zum Teil überdimensionale Feder-Kopfschmuck, den die Models trugen, auf Verständnislosigkeit bei einigen Zuschauern. Dior-Eigentümer Bernard Arnault steht aber weiterhin fest zu dem 'Enfant Terrible' - das ihm dem Vernehmen nach saftige Gewinnzuwächse beschert haben soll.
Der Unterschied könnte nicht größer sein zwischen Galliano und Adeline André. Die Modeschöpferin wurde ihrem Ruf als Minimalistin wieder einmal gerecht. Einige ihrer Entwürfe erweckten auf den ersten Blick den Eindruck, als stammten sie aus einem Nähkurs für Anfänger. Erst auf den zweiten Blick fielen die raffinierten Details auf: die Abnäher am Stehkragen, die Knopfleisten am Ärmel oder die seitlich versetzten Gürtelschnallen. André zeigte ein Stück, das als Rock oder als Hose durchgehen könnte - je nachdem, wie sich die Trägerin bewegt. Originell Hosenanzug und Kostüm, an die die Oberteile mit einer Art Heftzwecken befestigt sind.
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