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Moskau
Russe will Kopf-Transplantation

Moskau. Aus medizinischer Sicht sei dieser Plan nicht ausgeschlossen, sagen Ärzte.

Ein 31-jähriger Russe, der unter spinaler Muskelatrophie leidet, will als erster Mensch seinen Kopf auf einen anderen Körper transplantieren lassen. Der seltene Gendefekt lässt Muskeln schrumpfen und zerstört wichtige Nerven. Der italienische Neurochirurg Sergio Canavero will dem Patienten 2017 den Kopf abnehmen und auf einen gesunden Körper transplantieren.

Aus ärztlicher Sicht sei dieser Plan "nicht gänzlich abwegig", urteilt der Medizinprofessor Jan Vesper von der Uniklinik Düsseldorf. Doch abseits der ohnehin bestehenden ethischen Aspekte sei so ein Eingriff rein technisch "extrem schwierig, wenn nicht unmöglich", urteilt Vesper, selbst ein angesehener Neurochirurg. Durch den Hals liefen so komplexe Nervenstränge, dass es schier unmöglich sei, sie in vergleichsweise kurzer Zeit nach einer kompletten Durchtrennung wieder neu anzuschließen und zu erwarten, alles würde funktionieren.

"Die hirnversorgenden Blutgefäße und die peripheren Nerven wären möglicherweise noch ein kleineres Problem, aber der entscheidende Hinderungsgrund ist das Rückenmark", sagt Vesper. Das werde durchschnitten, und selbst bei dem hohen molekularbiologischen Fortschritt von heute (etwa durch biochemische Klebe-Chemikalien zwischen Fasern) sei kaum zu erwarten, dass der neue Mensch als Zwei-Komponenten-Modell regulär funktionieren könnte.

"Ein zentrales Problem ist ja auch, dass der Hirnstamm unsere Herz-Kreislauf-Funktion steuert", sagt Vesper. "Wenn diese Verbindung zerstört wird - und wenn auch nur für kurze Zeit -, bekommt man sofort ein gigantisches Problem." Ein weiteres Hindernis sieht der Neurochirurg Vesper in den zu erwartenden Abstoßungsreaktionen, die bei jeder Transplantation auftreten, wenn zwei fremde Gewebe miteinander verbunden werden: "Selbst bei einer optimalen Typisierung von Spender und Empfänger muss man immer so genannte immunologische Unverträglichkeiten befürchten." Eine solche Operation, glaubt Vesper, sei nach heutigem Stand der Technik nicht mit einem Überleben vereinbar.

(w.g./RP)
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