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Düsseldorf
Pegida hetzt gegen Nationalspieler

Düsseldorf. Eine Sonderedition der Kinderschokolade zeigt Kinderbilder von Stars wie Boateng und Gündogan. Das sorgt für Empörung unter den Islamgegnern. Ferrero distanziert sich. Von Jörg Isringhaus

Normalerweise heißt es, Schokolade mache glücklich. Für den baden-württembergischen Ableger der "Pegida"-Bewegung, "Pegida BW-Bodensee", trifft das nicht zu. Anhänger der islam- und fremdenfeindlichen Organisation haben sich rassistisch zur neuen Werbekampagne des Süßwarenkonzerns Ferrero geäußert. Der hat zur Fußball-Europameisterschaft eine Sonderedition der Kinderschokolade mit Kinderfotos von elf Nationalspielern auf den Markt gebracht, darunter auch Jérôme Boateng und Ilkay Gündogan. Der Vater von Bayern-Verteidiger Boateng stammt aus Ghana, Dortmund-Spieler Gündogan hat türkische Wurzeln. "Vor nichts wird Halt gemacht. Gibt's die echt so zu kaufen? Oder ist das ein Scherz?" posteten daraufhin Pegida-Anhänger auf Facebook. Auch von Boykott ist die Rede: "Wird nicht mehr gekauft, sollte das so sein."

Entzündet hat sich die Aufregung der Islamgegner offenbar an der Darstellung farbiger Kinder auf der Packung wie eben Boateng. Dass es sich bei dem Nationalspieler um einen gebürtigen Berliner mit einer deutschen Mutter handelt, wird ignoriert. Genauso wie die Angabe auf der Packung: "Unsere Fußballstars als Kinder! Na, erkannt?" Es geht den Pegida-Anhängern nicht um Fußball, sondern um Andersartigkeit an sich - was von der Norm weiß, blond und blauäugig abweicht, wird diffamiert. Insbesondere, wenn es den Milchbubi von der Kinderschokolade verdrängt.

Die Pegida-Hetze erfährt im Internet auch Gegenwind. "Das geht zu weit, liebe Pegida-Anhänger, und zeigt, wessen Geistes Kind ihr seid", heißt es etwa auf Facebook. Auch das Fußballmagazin "11 Freunde" hat reagiert - mit einer Fotomontage, die Stefan Effenberg mit Stinkefinger aus dem Jahr 1994 auf einer Packung Kinderschokolade zeigt. Darunter steht: "An alle Rassisten: Natürlich gibt es auch für euch eine Sonderedition. Gern geschehen!"

DFB-Chef Reinhard Grindel verurteilte die Hetze gegenüber der "F.A.Z." scharf. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sei eines der besten Beispiele für gelungene Integration, sagte er. "Bei uns kommt es auf Leistung an und nicht auf Herkunft eines Spielers", so Grindel. Sogar die Pegida-Führung distanzierte sich. Die Äußerungen über die Kinderschokolade-Sonderedition seien "derart unsinnig und mit Verlaub dumm", zitiert "web.de" Pegida-Chef Lutz Bachmann. Die Gruppe "Pegida BW-Bodensee" sei seit Juni 2015 kein offizieller Ableger von Pegida, sondern nutze widerrechtlich den Namen.

Für Ferrero seien derartige Hasskommentare ein neues Phänomen. Grundsätzlich gelte aber, dass der Konzern rassistische Äußerungen in den eigenen Facebook-Communitys weder akzeptiere noch toleriere, sagte ein Sprecher. An der Werbekampagne wird Ferrero festhalten: "Eine Einstellung der Sonderedition wird bei uns nicht diskutiert."

Quelle: RP
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