Nach Absturz in Sibirien: Piloten: Sicherheit bei kleinen Fluggesellschaften mangelhaft
zuletzt aktualisiert: 04.07.2001 - 13:57Neu-Isenburg (rpo). Nach dem Flugzeugunglück in Sibirien hat die Pilotenvereinigung Cockpit auf die mangelnde Sicherheit gerade kleinerer russischer Fluggesellschaften hingewiesen. Gleichzeitig warnte sie davor, alle russischen Fluggesellschaften über einen Kamm zu scheren.
"Viele kämpfen mit sinkenden Umsätzen und haben eine sehr dünne Kapitaldecke", sagte Cockpit-Vorstandsmitglied Georg Fongern am Mittwoch in Neu-Isenburg bei Frankfurt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die finanziellen Engpässe gingen auch auf Kosten der Sicherheit. Die verunglückte Tupolew gehörte der regionalen Fluggesellschaft "Wladiwostokawia". Bei dem Absturz in der Nähe von Irkutsk starben am Dienstag 145 Menschen.
Fongern warnte aber davor, alle russischen Fluggesellschaften über einen Kamm zu scheren. Es gebe auch viele, die gut geführt werden und westeuropäische Standards erfüllen. "Dazu zählen etwa Aeroflot und Sibir Air", sagte Fongern. Diese Gesellschaften setzten auch moderne Passagierflugzeuge wie den Airbus ein. Die Tupolew- Maschinen seien dagegen Jets der ersten Generation - die Maschinen seien "laut, schwer und Spritfresser". Das Konstruktionsprinzip sei älter als 30 Jahre und entsprechend überholungsbedürftig.
Reformbedarf in der Flugsicherung
Reformbedarf gibt es nach Ansicht Fongerns auch innerhalb der russischen Flugsicherung. Die Behörden würden noch immer zentralistisch geführt und zeigten sich bei der Aufarbeitung von Unglücken im Umgang mit der Öffentlichkeit sehr zugeknöpft. Dies erschwere die Auswertung bei Flugzeugabstürzen und damit auch die Beseitigung von Schwachstellen.
Die Sicherheitsstandards gerade auf größeren russischen Flughäfen halte er dennoch für gut, sagte Fongern. Das gelte auch für Irkutsk, wo 1994 beim letzten größeren Flugzeugabsturz in Russland bereits einmal 124 Menschen getötet worden waren. Bei vielen kleineren Airports sei das Sicherheitsniveau dagegen zu gering. Fongern sagte, beim Überfliegen mancher Flugplätze in Sibirien auf dem Weg nach Japan denke er sich immer wieder: "Hier möchte ich nicht notlanden müssen."
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