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Köln
Plastik gelangt nicht ins Trinkwasser

Köln. Schweizer Forscher wiesen alarmierende Mengen Mikroplastik im Rhein nach. Die Versorger geben Entwarnung: Die Teilchen kommen nicht ins Trinkwasser.

Bis zu 2,3 Millionen Plastikteilchen fanden Baseler Wissenschaftler auf einem Quadratkilometer Rheinfläche - laut den Forschern eine der höchsten gemessenen Konzentrationen weltweit. Viele Trinkwasserversorger in Rheinnähe beziehen Grundwasser, das zum Teil auch den Fluss passiert hat. Bedenken äußern sie jedoch keine, denn die Teilchen seien zu groß, um die Sedimentschichten und künstliche Filteranlagen durchdringen zu können.

Wie gefährlich ist Mikroplastik für die Gesundheit? Da der Großteil der nachgewiesenen Teilchen aus Kosmetikprodukten wie Zahnpasta stammt, sieht das Landesgesundheitsamt keine akute Gefährdung für die Gesundheit. Menschen können die Stoffe aufnehmen, wenn sie beim Schwimmen Wasser schlucken oder Tiere essen, in deren Körpern sich krebserregende Plastikarten abgelagert haben. Es stelle aber vor allem ein Umweltproblem dar.

Ist das Trinkwasser auch betroffen? Nein. Wasserwerke haben ein mehrstufiges Filtersystem, das nicht nur Bakterien, sondern auch schädliche Feststoffe zurückhält. Der Trinkwasserversorger Rheinenergie, der unter anderem Köln, Frechen, Pulheim und Bergisch Gladbach mit Wasser beliefert, bezieht sein Rohwasser unter anderem aus sogenannten Uferfiltratbrunnen in Rheinnähe. Das Wasser in diesen Brunnen ist bereits durch natürliche Sedimentschichten von den im Rhein nachgewiesenen Plastikteilchen befreit, durchläuft im Wasserwerk jedoch zusätzlich noch einen Aktivkohlefilter.

Wie kommen die Teilchen in den Fluss? Das Plastikgranulat besteht aus verschiedenen (und verschieden gefährlichen) Kunststoffarten, die ihren Ursprung in Kosmetikprodukten, falsch oder nicht entsorgtem Plastikmüll und der Industrie am Rhein und seinen Zuläufen haben. Einige Klärwerke haben bereits eine Filterstufe, um die Plastikteilchen aufzufangen. Der Großteil der Klärwerke hat sie nicht, weshalb das geklärte Abwasser meist auch nach dem Durchlaufen der Anlagen noch mit Plastik verschmutzt ist.

Wie kann man sich schützen? Da das Trinkwasser nicht von der Plastikbelastung des Rheins betroffen ist, kann es weiterhin getrunken werden. Bedenklich ist, dass das Plastik auch in mehreren Flusstierarten gefunden wurde, ein Vorkommen in Speisefischen ist daher nicht auszuschließen. Das Umweltamt NRW rät zur Vermeidung von Plastikmüll, um die Ursache des Problems zu bekämpfen. Zusätzlich könne man auch auf Kosmetikprodukte verzichten, die sogenannte Copolymere enthalten.

Besteht das Problem auch in anderen Flüssen? Laut einer Sprecherin des Umweltamtes laufen derzeit Untersuchungen an Ruhr, Wupper, Lippe und weiteren Flüssen, die dem Rhein Wasser zutragen. Die Ergebnisse sollen zeigen, wo genau die Plastikverschmutzung ihre Ursprünge hat und welche Kunststoffarten in den Flüssen vorkommen.

(bur)
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