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Düsseldorf
"Platz für Sprachunterricht fehlt"

Düsseldorf. Der Stadtdirektor von Gelsenkirchen schlägt Alarm: Jede Woche kommen bis zu 50 weitere Flüchtlingskinder. "Die Grundschulen sind maßlos überfordert." Von Detlev Hüwel

Manfred Beck, Stadtdirektor von Gelsenkirchen, spricht aus, was wohl viele Bürger vermutet haben: Wegen der Flüchtlinge wird in den Kommunen Verwaltungspersonal aus anderen Bereichen abgezogen. Dadurch müsse "vieles an Regelaufgaben hintangestellt werden", so Beck bei einer Anhörung im Landtag. Dieser Aufschub sei zwar für eine gewisse Zeit vertretbar, aber nicht auf Dauer, betont Beck, der den Grünen angehört. Eine Ausweitung des Stellenplans komme nicht in Frage, da Gelsenkirchen als finanziell notleidende Kommune kein zusätzliches Personal einstellen dürfe.

Unterdessen reißt auch in Gelsenkirchen (265.000 Einwohner) der Flüchtlingszustrom nicht ab. Derzeit gibt es dort 10.000 Asylbewerber; pro Woche kommen laut Beck 40 bis 50 Kinder hinzu, die Sprachförderung erhalten müssten. Dies geschehe in 84 "Internationalen Förderklassen" mit 1500 Mädchen und Jungen. Doch schon jetzt stoße man an räumliche, pädagogische und organisatorische Grenzen. Ende des Jahres würden es an die 100 Klassen sein - "womit endgültig alle räumlichen Kapazitäten ausgeschöpft sind", sagt Beck. Er wisse nicht mehr, wo die Kinder dann unterrichtet werden sollen. Der Stadtdirektor kritisiert zudem, dass Flüchtlingskinder, die im letzten Jahr vor der Einschulung in einer Kommune ankommen, keine ausreichende Sprachförderung mehr erhalten könnten, aber ab Klasse eins am Regelunterricht teilnehmen müssten. Damit seien die Grundschulen "maßlos überfordert". Nötig sei eine Rückkehr zu den früheren Schulkindergärten - Beck nennt sie "Förderklasse für i-Dötzchen".

Flüchtlingskinder sind schulpflichtig, sobald sie einer Kommune zugewiesen werden und das entsprechende Alter haben. Das Schulministerium verweist darauf, dass Flüchtlingskinder mit mangelnden Deutschkenntnissen in Vorbereitungs- oder Auffangklassen Sprachförderung erhalten. Es könne aber sein, dass sie in der Regelschule zeitweise am normalen Unterricht teilnehmen; allerdings vorzugsweise in Fächern, bei denen die Sprachkompetenz nicht im Vordergrund stehe.

Becks Wunschliste im Zusammenhang mit den Flüchtlingen ist lang: In der Stadt müssten dringend mehr Kita-Plätze geschaffen werden; außerdem brauche Gelsenkirchen zwei neue sechszügige Gesamtschulen. Auch müsse es mehr psychosoziale Betreuung für Kinder und Jugendliche geben, die auf der Flucht traumatisiert worden seien.

Im Streit um die Aufnahme von Flüchtlingen haben die Gemeinde Ascheberg (Münsterland) und die für die Flüchtlingszuweisung zuständige Bezirksregierung Arnsberg gestern einen engeren Informationsaustausch vereinbart. Wie berichtet, hatte Bürgermeister Bert Risthaus (CDU) Regierungspräsidentin Diana Ewert (SPD) Verleumdung vorgeworfen, weil sie behauptet habe, Ascheberg weigere sich, Flüchtlinge aufzunehmen. Nach Angaben der Behörde wird es in engem Kontakt mit der Gemeinde weitere Zuweisungen nach Ascheberg geben: "Anders geht es nicht."

Quelle: RP
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