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Köln
Polizistin legt Kölner Flughafen lahm

Köln. Eine 23 Jahre alte Landespolizistin in Zivil hat am Konrad-Adenauer-Airport Großalarm ausgelöst, weil sie unkontrolliert den Sicherheitscheck passierte und verschwand. Das Terminal wurde daraufhin geräumt. 1000 Passagiere saßen fest. Von Sebastian Fuhrmann und Christian Schwerdtfeger

Es war gegen zehn Uhr gestern Morgen, als plötzlich eine junge Frau mit Anorak und Kapuze am Köln/Bonner Flughafen an einer Warteschlange vorbei die Sicherheitsschleuse passierte. Dabei hielt sie am Körperscanner, wie sich später herausstellen sollte, einen Dienstausweis der Polizei in der Hand, den sie den Sicherheitsleuten entgegenstreckte. Dann rannte sie los, verschwand im Getümmel zwischen den Boutiquen und Geschäften. Die Bundespolizei versuchte sie daraufhin zu finden - vergeblich. Die Frau blieb zunächst unauffindbar.

Erst zwei Stunden später konnte sie nach intensiver Suche und mit enormen Aufwand mit Hilfe von Videoüberwachungsbildern vorläufig festgenommen werden. "Es handelt sich bei der Frau um eine 23 Jahre alte Landespolizistin", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. "Sie gab in ihrer Vernehmung an, es eilig gehabt zu haben, weil sie ihren Flug nicht verpassen wollte. Sie war nicht dienstlich unterwegs."

Nach Informationen unserer Redaktion hatte die junge Polizistin zunächst ganz normal an einem der 16 Gepäckkontrollpunkte angestanden. Dann kam es jedoch zu Verzögerungen am Körperscanner. Die 23-Jährige wollte nicht so lange warten und ging zu einem anderen Sicherheitscheck, wo sie ihren Dienstausweis vorzeigte und erklärte, von der Polizei zu sein. "Möglicherweise entstand da ein Missverständnis. Sie nahm offenbar an, dass sie die Kontrolle passieren dürfe", hieß es aus Sicherheitskreisen. Was, wie sich herausstellte, nicht der Fall war.

Wieso sie sich jedoch nach der Räumung des Terminals und entsprechenden Lautsprecherdurchsagen nicht von sich aus bei der Polizei meldete, um den Vorfall aufzuklären, war gestern offiziell noch nicht bekannt. "Sie hatte einfach Angst, als sie sah, was sie angerichtet hat", so ein Insider.

Aus Sicherheitsgründen war bei der Suche nach ihr der Bereich im Terminal 2 geräumt und mit Sprengstoffhunden durchsucht worden. "So sind die Vorschriften", sagte Flughafensprecher Alexander Weise. Wenn jemand unkontrolliert durch den Sicherheitscheck gelange, mache dies grundsätzlich die Räumung des dahinter liegenden Bereichs mit dem Zugang zu den Flugzeugen erforderlich, sagte Weise. Es sei schließlich denkbar, dass der- oder diejenige Sprengstoff transportieren, deponieren oder an eine andere Person übergeben könnte. Das alles müsse ausgeschlossen werden. In diesem Fall habe auf jeden Fall verhindert werden können, dass die nicht kontrollierte Passagierin an Bord eines Flugzeugs gelangt sei. Einen terroristischen Hintergrund hatten die Beamten von Beginn an ausgeschlossen.

Die Fluggäste, die den Sicherheitsbereich wieder verlassen mussten, wurden erneut kontrolliert - darunter auch die Landespolizistin. Dadurch entstand erhebliches Chaos. Rund 1000 Fluggäste waren betroffen. Der Zwischenfall wirkte sich auch auf den Flugverkehr aus. So wurden eine Airberlin- und eine Ryanair-Maschine mit 250 Passagieren an Bord ebenfalls durchsucht - kurz bevor sie starten sollten. Unter den Fluggästen befand sich auch die Profifußball-Mannschaft des 1. FC Köln. "Ihre Maschine konnte gegen halb zwölf starten", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Nicht so viel Glück hatten die Passagiere, die mit Ryanair nach Berlin fliegen wollten. Ihr Flug fiel aus. Bei fünf Abflügen kam es zu Verspätungen von bis zu zwei Stunden. Ankommende Flüge waren hingegen nicht betroffen.

Ob die Polizistin für den angerichteten Schaden aufkommen muss, ist noch nicht bekannt. Sollte sich jedoch herausstellen, dass es kein Missverständnis war und sie ihren Dienstausweis missbraucht hat, um schneller durch die Kontrolle zu kommen, könnte der Flughafen Regressansprüche stellen.

Quelle: RP
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