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Misstrauen der Unternehmen bringt der Branche Umsatz: Privatdetektive ermitteln meist am Tatort "Arbeitsplatz"

zuletzt aktualisiert: 10.11.2000 - 10:24

Wiesbaden (dpa). Der nervenaufreibende Auftrag aus dem Munde einer atemberaubend schönen, aber mysteriösen Frau ist für deutsche Privatdetektive reine Fiktion. So fangen alte Detektivfilme mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle an, aber nicht der Arbeitstag von Männern wie Manfred Lotze, Chef der Düsseldorfer Firma "Detektive Kocks". "Wir sind meist am Tatort Arbeitsplatz tätig", sagt der Landesvorsitzende Rheinland und Westfalen im Bundesverband Deutscher Detektive (BDD).

"Alles außer Mord" könnte die Überschrift lauten, wenn sich die BDD-Detektive an diesem Wochenende in Wiesbaden über die neuesten Entwicklungen ihres diskreten Gewerbes austauschen. Noch nicht einmal ein Drittel ihrer Aufträge erhalten die Ermittler von Privatleuten, berichtet BDD-Geschäftsführer Josef Riehl.

Die Wirtschaft beziehungsweise deren Misstrauen gegen die Konkurrenz und die eigenen Mitarbeiter sorgt für florierende Geschäfte: Die meisten der rund 1 000 hauptberuflichen Detektive forschen angeblich kranken Mitarbeitern hinterher, bringen betrügerische Kassiererinnen in Versuchung, einen hastig hingeworfenen Zehn-Mark-Schein einzustecken, oder jagen im Auftrag von Handwerkskammern und anderen Verbänden Schwarzarbeiter. Schwere Delikte aus der Wirtschaftskriminalität sind Korruption, Industriespionage und Produktpiraterie, die sich Lotze zufolge ausgebreitet haben "wie die Pest".

Auch die besonders bestechungsanfälligen Einkäufer lassen manche Unternehmen regelmäßig von Detektiven überprüfen. Diese bieten dann bestimmte Produkte unter dem bisherigen Einkaufspreis an. Reagiert der Einkäufer nicht auf die vorteilhafte Offerte, ist er schon höchst verdächtig, und der Detektiv muss nur noch gerichtsfeste Beweise bringen. Überhaupt plädiert Lotze für mehr Kontrolle statt Gutgläubigkeit in den Betrieben. Das beginne schon bei Bewerbungen. Die Personalabteilungen machten sich nur selten die Mühe, sich Originale von Zeugnissen vorlegen zu lassen. "Ungefähr 30 Prozent aller Bewerbungen sind getrickst", glaubt der von Beruf misstrauische Lotze. Die Manipulationen reichten von kleinen Beschönigungen im Lebenslauf bis zu gefälschten Diplomen.

"Bossing" weit verbreitet

Am "Tatort Arbeitsplatz" spielen sich aber auch üble Machenschaften anderer Art ab: Bei den zunehmenden Ermittlungen im Auftrag von Mobbing-Opfern gerät nicht selten der Chef ins Visier, denn "Bossing" ist eines der häufigsten Phänomene in diesem Bereich menschlichen Zusammenlebens. Um den eigenen Leumund machen sich die Detektive ebenfalls Sorgen, denn die ungeschützte Berufsbezeichnung "Detektiv" darf jeder führen, der will. Gemeinsam mit den beiden Konkurrenzverbänden Bund Internationaler Detektive (BID) und dem Deutschen Detektiv-Verband (DDV) unterhält der BDD eine Ausbildungsakademie, die Zentralstelle für die Ausbildung im Detektivgewerbe. Erst nach zwei Jahren Praktikum, rund 50 Studienbrief-Lektionen, Blockseminaren und einer Sachkundeprüfung darf sich der Nachwuchs ZAD-zertifizierter Detektiv nennen.

Quelle: RPO Archiv

 
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