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Callgirl-Ring bediente angeblich weitere Politiker und Promis: Prominente Rückendeckung für Friedman wächst

zuletzt aktualisiert: 20.06.2003 - 15:08

Frankfurt/Main (rpo). Michel Friedman erhält in der Kokain-Affäre immer mehr Rückendeckung von politischer Seite. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries und CSU-Chef Edmund-Stoiber nahmen Friedman vor Vorverurteilungen in Schutz. Unterdessen wurde bekannt, dass der Callgirl-Ring, dessen Kunde Friedman angeblich sein soll, weitere Prominente in der Kundenkartei haben soll.

Der ehemalige SPD-Kulturstaatsminister und heutige "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann sagte der "Bild"-Zeitung: "Einer, der so zu Unrecht beschädigt und durch die Gosse gezogen wurde, muss sich fragen, was mache ich eigentlich in diesem Land?" Wegen der Nachrichtensperre der Berliner Staatsanwaltschaft wurde nichts über ein Ergebnis der Haarprobe bekannt.

Zypries sagte in einem Interview mit dem Sender N24, zunächst gelte für den Vize-Präsidenten des Zentralrats der Juden wie für jeden anderen auch die Unschuldsvermutung. Stoiber betonte, dass Friedman auch entsprechend behandelt werden müsse. CSU-Landesgruppenchef Michael Glos kritisierte das Vorgehen der zuständigen Berliner Staatsanwaltschaft: "Diese Schlagzeilen sind immer unerfreulich und man muss sich allerdings fragen, ob die Staatsanwaltschaft mit der gleichen Härte sofort vorgegangen wäre bei jemand, der nicht so prominent gewesen ist wie Friedman", sagte er N24. Friedmans Anwalt hatte der Behörde am Donnerstag eine "öffentliche Hinrichtung" seines Mandanten vorgeworfen.

Naumann erklärte, es gebe keine Rechtsgrundlage, Friedman die Moderation seiner Talkshows zu entziehen: "Jetzt liegt es an ihm selbst, ob er weiter moderiert." Friedman hat von sich aus auf die vier noch bis zum Sommer in der ARD und dem Hessischen Fernsehen geplanten Talk-Shows verzichtet. Die ARD will zunächst die Ergebnisse der laufenden Ermittlungen abwarten, bevor eine Entscheidung über den Verbleib Friedmans auf dem Bildschirm gefällt wird.

Bericht über weitere prominente Callgirl-Kunden

Der frühere sächsische Innenminister und jetzige TV-Moderator Heinz Eggert forderte dem Bericht zufolge eine zweite Chance für Friedman als Fernsehmoderator. "Momentan wäre es für ihn und die Öffentlichkeit besser, sie würden sich nicht begegnen. Das bedeutet für mich aber keine lebenslange Verbannung vom Bildschirm", sagte er. Auch der TV-Journalist Peter Scholl-Latour, der als bislang letzter Prominenter in Friedmans ARD-Sendung "Friedman" zu Gast war, sagte, Kokain-Missbrauch würde nicht ausreichen, um den Moderator vom Bildschirm zu verbannen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hielt ihre am Donnerstag verhängte Nachrichtensperre im Fall Friedman am Freitag aufrecht. Zu einem Zeitungsbericht, nach dem das Ergebnis der Haarprobe Friedmans bereits vorliegen soll, wollte sich Justizsprecher Björn Retzlaff nicht äußern.

Die "Berliner Zeitung" (Freitagausgabe) berichtete, der Callgirl-Ring, dessen Kunde Friedman unbestätigten Berichten zufolge sein soll, habe auch andere prominente Politiker sowie bekannte Medienvertreter und Sportfunktionäre beliefert. Die Fahnder seien im Zuge ihrer Ermittlungen auf mindestens ein hochrangiges Vorstandsmitglied einer großen deutschen Partei gestoßen.

Die Affäre Friedman zieht immer weitere Kreise.  Foto: RPO
Die Affäre Friedman zieht immer weitere Kreise. Foto: RPO

 
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