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Bielefeld
Prozess gegen Mutter: Baby in Plastiktüte abgelegt

Bielefeld. Im Prozess gegen eine 39-jährige Mutter hat die Angeklagte eingeräumt, ihren Neugeborenen in einer Plastiktüte in einem Gebüsch zurückgelassen zu haben. Unter Tränen berichtete sie gestern vor dem Landgericht Bielefeld, wie sie das Kind allein in einem leerstehenden Rohbau zur Welt brachte und kurz darauf in der Nähe eines Parkplatzes im Gebüsch ablegte. Der Junge überlebte, weil er noch am selben Abend von Passanten gefunden wurde.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau versuchten Totschlag im Zustand verminderter Schuldfähigkeit vor. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie ihren Sohn in dem Gebüsch versteckt zum Sterben zurücklassen wollte.

Die Polizei hatte mehr als zwei Wochen nach der Mutter gesucht und war ihr schließlich in einem Wohnheim für Werkarbeiterinnen auf die Spur gekommen. Mitbewohnerinnen hatten von Gewichtsschwankungen berichtet. In ihrer tränenreichen Aussage leugnete die Angeklagte, vor der Geburt sicher von ihrer Schwangerschaft gewusst zu haben. Was sie dazu gebracht hatte, das Kind heimlich zur Welt zu bringen und auszusetzen, konnte sie nicht erklären.

Mit dem Vater des Kindes hatte sie nur einmal geschlafen und den Kontakt abgebrochen, als er behauptete, keine Kinder zeugen zu können. In ihrem Herkunftsland Rumänien hat die Angeklagte, die zuletzt in einer Fleischfabrik in Gütersloh arbeitete, eine erwachsene Tochter und einen jugendlichen Sohn von verschiedenen Männern.

Tränen und immer wieder "Ich weiß nicht, was mich dazu gebracht hat" sind die Antwort der Angeklagten. Das Gericht hat zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.

(dpa)
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