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Hamburg
Publikum soll ESC-Kandidaten wählen

Hamburg. Nach dem Debakel um die ESC-Nominierung Xavier Naidoos durch den NDR peilen die Verantwortlichen wohl wieder einen Vorentscheid an. Die Tendenz gehe in der Tat dahin, zum Wettbewerb zurückzukehren und das Publikum entscheiden zu lassen, wer im nächsten Jahr nach Stockholm fährt, sagte ARD-Vorsitzender und NDR-Intendant Lutz Marmor in Hamburg. "Der NDR hat einen Fehler gemacht", erklärte Marmor. Auch er selbst habe die Wucht der Reaktionen unterschätzt. Der innerhalb der ARD für den Wettbewerb verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte in der vergangenen Woche Naidoo (44) als Teilnehmer für den Eurovision Song Contest (ESC) bestimmt, die Nominierung nach heftiger Kritik aber wieder zurückgezogen. Naidoo wird vorgeworfen, in Liedtexten gegen Juden und Homosexuelle zu hetzen. Zudem hat er auf einer Versammlung der rechtspopulistischen Reichsbürger gesprochen.

Zu finanziellen Verpflichtungen, die sich für den Sender aus der Absage an den Sänger ergeben könnten, sagte NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann: "Es gibt aus unserer Sicht keinen Vertrag." Es gebe mündliche Absprachen über Eckwerte, "aber Eckwerte sind vertraulich". Ob etwaige Schadenersatzforderungen des Sängers rechtsgültig seien, müsse jetzt geklärt werden.

Unterdessen bekam Naidoo prominente Unterstützung. So schrieb der Sänger Herbert Grönemeyer auf seiner Facebook-Seite, dass der NDR sich glücklich schätzen konnte, so ein Kaliber wie Naidoo für seine Eurovision gewonnen und überredet zu haben. "Was jetzt auf seinem Rücken für ein absurdes Theater abgefertigt wird, ist unverständlich", erklärte der 59-Jährige. "Xavier ist einer der besten Musiker und Sänger bei uns, weder homophob, noch rechts und reichsbürgerlich, sondern neugierig, christlicher Freigeist und zum Glück umtriebig und leidenschaftlich."

(dpa/RP)
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