Unvorteilhafte Darstellung: Queen in Öl - und Britannien ist not amused
zuletzt aktualisiert: 21.12.2001 - 16:13London (rpo). Die britische Königin Elizabeth II ist ein weiteres Mal in Öl gemalt worden. Das wäre weiter nicht ungewöhnlich, hätte das Portrait in ganz Großbritannien nicht hohe Wellen geschlagen. Es stellt die Queen sehr unvorteilhaft dar.
Der Maler war Lucian Freud (79). Das Gemälde, für das die Queen viele Stunden Modell saß, erregte am Freitag großes Aufsehen und zierte die Titelseiten fast aller britischen Zeitungen. Während Kunsthistoriker von dem "bedeutendsten königlichen Bildnis seit Goya" sprachen, forderte das Massenblatt "The Sun", Freud müsse in den Tower geworfen werden.
Auch die Verfechter der nur 15 mal 23 Zentimeter großen Miniatur gaben zu, dass die Queen aussehe, als sei sie das Regieren leid. Zwar trägt sie eine Krone, schaut aber drein "wie ein Corgi, der eine Wespe verschluckt hat" (The Sun), dazu "fleckig" und "unrasiert" (The Times), "rau" (Daily Telegraph) "ausgelaugt" (Daily Mail) und "frostig" (The Mirror). Der Buckingham-Palast rühmte die "enorme Ausstrahlungskraft" des Gemäldes, wollte aber nicht verraten, wie die Königin selbst reagiert hatte. Ein "Insider" sagte der "Daily Mail": "Sie wird es nicht mögen."
Freud hat zehn Monate an dem Bildnis gearbeitet, das er der Queen zu ihrem Goldenen Thronjubiläum im nächsten Jahr schenkt. Seine Werke erzielen normalerweise Preise in Millionenhöhe. Der Enkel von Sigmund Freud, des Begründers der Psychoanalyse, hatte es in der Vergangenheit unter anderem abgelehnt, den Papst und Prinzessin Diana zu porträtieren. Aber die Queen habe ihn spontan interessiert, sagte er. Das frühere Enfant terrible aus dem "Soho-Kreis" um Francis Bacon ist vor allem für seine provokanten Nacktporträts bekannt.
Elizabeth hat seit ihrem vierten Lebensjahr für über 150 Porträts Modell gesessen und ist an Kontroversen gewöhnt. Dem Maler Anthony Williams wurde vor fünf Jahren vorgeworfen, sie mit Wurstfingern und abgebrochenen Fingernägeln dargestellt zu haben. Paul McCartney bekam den Rat, besser ein Lied über die Königin zu schreiben. Frühere englische Monarchen ließen sich unter anderem von Meistern wie Hans Holbein und Anthonie van Dyck verewigen.
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