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Paris
Rätsel um David Hamiltons Tod

Paris. Gegen den berühmten Fotografen wurden jüngst Missbrauchsvorwürfe laut. Von Sabine Glaubitz

Es sind solche Bilder, die den britischen Fotografen David Hamilton weltberühmt machten: vom jungen Mädchen, das sich gegen einen Fels lehnt. Um die Hüften ein Gazetuch, das die Scham knapp bedeckt. Das offene Haar fällt zwischen die Brüste. Motiv und Pose erinnern an das Gemälde "Odysseus und Kalypso" des Schweizer Symbolisten Arnold Böcklin. Zeit seines Schaffens spielte Hamilton mit dem Lolita-Effekt, ahmte in seinen oft kitschig-erotischen Fotos berühmte Kunstwerke nach. Das Markenzeichen seiner Bilder war der Weichzeichner-Effekt.

Spätestens seit den 1990er-Jahren aber begleitete ihn der Vorwurf der Pornografie. Nun verfolgen ihn noch schlimmere Vorwürfe: Mehrere ehemalige Mädchenmodels warfen ihm sexuellen Missbrauch vor.

Zur Rechenschaft kann David Hamilton nicht mehr gezogen werden: Er starb am Freitagabend im Alter von 83 Jahren in Paris. Die Umstände seines Todes sind bislang ungeklärt. Französische Medien berichteten von einer Selbsttötung; die ermittelnden Behörden schwiegen dazu. In der vergangenen Woche hatte die französische TV-Moderatorin Flavie Flament Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Hamilton laut werden lassen: Sie sei 1987 im Alter von 13 Jahren von dem Fotografen vergewaltigt worden. Daraufhin meldeten sich zwei weitere Frauen als mutmaßliche Opfer.

Schon als künstlerischer Leiter des Pariser Kaufhauses "Printemps" ließ er für die Außenwerbung des Kaufhauses schwedische Fotomodelle posieren. Hamilton begann seine Karriere auf Umwegen. Nach seiner Lehre als Schreiner arbeitete er in einem Architektenbüro, bevor er nach Paris zog und zum Grafikdesigner und schließlich Fotografen umsattelte.

(dpa)
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