Gorbatschow ehrt Erfurter Lehrer: Rainer Heise "Mann des Jahres"
zuletzt aktualisiert: 02.11.2002 - 14:57Wien (rpo). Nun kommt der Erfurter Rainer Heise doch noch zu seinem Recht. Der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow hat den Lehrer für sein Verhalten beim Schulmassaker von Erfurt als "Mann des Jahres" ausgezeichnet.
Heise hatte nach eigener Darstellung am 26. April den Todesschützen im Gutenberg-Gymnasium aufgehalten, indem er sich vor diesen stellte und ihn aufforderte, ihm in die Augen zu schauen. "Diese Szene hat mich sehr beeindruckt", sagte der Friedensnobelpreisträger Gorbatschow, weil "vor einer solchen menschlichen Kraft alles stehen bleibt". Heise steht im Mittelpunkt der 15 "World Awards", die am Samstagabend von Gorbatschow offiziell in der Wiener Hofburg vergeben werden sollten.
Zu den Preisträgern gehören Herbert Grönemeyer, Thomas Gottschalk, die Formel-1-Größe Bernie Ecclestone, der Regisseur Roman Polanski und der Schauspieler Christopher Lee. Die undotierten Preise der österreichischen Agentur "World Connection", an der auch der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma beteiligt ist, sollen Männer auszeichnen, "die unsere Welt veränderten".
Heise werde "für seinen grenzenlosen Mut" geehrt, "indem er sein eigenes Leben riskierte, um sich dem wahnsinnigen Killer entgegenzustellen", heißt es in der Begründung des Preises. Heise hatte angegeben, den 19-Jährigen, der 16 Menschen und später sich selbst erschoss, in einem Raum eingeschlossen zu haben. Er fasse diesen Preis als "eine Anerkennung für die Arbeit meiner Kollegen" auf, die Folgen dieser Katastrophe zu bewältigen, sagte Heise vor der Presse in Wien. Der Lehrer wurde in den Medien als "Held von Erfurt" gefeiert, geriet aber auch wegen widersprüchlicher Aussagen in die Kritik.
Der deutsch-österreichische Schauspieler Karlheinz Böhm, der wegen seines vor 21 Jahren begonnenen Hilfsprojekts in Äthiopien ausgezeichnet wurde, beschrieb seine "Wut gegen die ungeheure Diskrepanz von Arm und Reich auf unserem gemeinsamen Planeten". Lee, der den Preis "für sein über 50-jähriges Lebenswerk als einer der gefragtesten Bühnen- und Filmschauspieler der Welt" erhielt, appellierte an die Verantwortung aller Schauspieler: "Wir haben eine große Verantwortung für die junge Generation. Wir müssen ihnen zeigen, was richtig und was falsch ist."
Die "World Awards" werden zum dritten Mal überreicht. Sie werden anlässlich des ebenfalls zum dritten Mal in Wien ausgerufenen "Internationalen Männertages" übergeben, der am 3. November begangen wird. In diesem Jahr wurde auch die "Bild"-Zeitung wegen "ihres Jahrzehnte langen Einsatzes für die jüdisch-deutsche Aussöhnung" mit dem so genannten "World Media Award" bedacht.
Gorbatschow hatte nach Darstellung der Agentur "World Connection" schon vor eineinhalb Wochen den "World Tolerance Award" an Papst Johannes Paul II. im Vatikan übergeben. Im vergangenen Jahr waren unter anderen der Ex-Beatle Paul McCartney, der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und der CNN-Gründer Ted Turner ausgezeichnet worden. "Mann des Jahres" war der Feuerwehrmann Jay Jonas geworden. Er hatte den Preis stellvertretend für die Feuerwehrleute von New York entgegengenommen, die bei den Terroranschlägen vom 11. September im Rettungseinsatz waren.
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