Demonstranten warfen mit Steinen: Randale bei Wiener Opernball
zuletzt aktualisiert: 23.02.2001 - 13:41Wien (AP). In der Wiener Staatsoper haben sich am Donnerstagabend 4.500 Gäste unbeeindruckt von gewalttätigen Protesten gegen die österreichische Mitte-rechts-Regierung der Walzerseligkeit hingegeben. Die Wiener Nachrichtenagentur APA meldete am Freitag 42 Festnahmen, darunter drei Deutsche und zwei US-Bürger, wegen schweren Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung, Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt.
Von dem "Kriminaltango" draußen vor der Tür bekamen die Ballgäste wenig mit, da rund 1.100 Polizisten zum Schutz des Festes im Einsatz waren. Zusammenstöße gab es mit rund 100 der insgesamt 800 Demonstranten gegen die Regierungsbeteiligung der rechtsgerichteten FPÖ, wie APA weiter meldete. Müllcontainer seien angesteckt, eine Baustelle verwüstet und Schaufensterscheiben eingeschlagen worden. Demonstranten hätten Farbbeutel, Flaschen, Steine und andere Gegenstände geworfen, die Polizei habe Schlagstöcke eingesetzt.
In der Staatsoper bildeten Tausende Rosen den harmonischen Blickfang für das Schaulaufen der Reichen und Prominenten. Der österreichische Bundespräsident Thomas Klestil feierte mit dem kroatischen Staatspräsidenten Stipe Mesic, der Wiener Baulöwe Richard Lugner sorgte mit dem Engagement der US-Schauspielerin Farrah Fawcett für internationalen Show-Glanz. Der ehemalige "Engel für Charlie" zeigte sich vom Ambiente des Balls begeistert, äußerte sich aber weniger enthusiastisch über die Tanzkünste des Gastgebers: "Ich musste führen", verriet Fawcett.
Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer von der FPÖ äußerte sich zufrieden: "Der Ball ist ein Vergnügen." Parteifreund und Verteidigungsminister Herbert Scheibner stellte fest: "Die Stimmung ist wesentlich gelöster wie vergangenes Jahr." Aus München war Modeschöpfer Rudolph Moshammer angereist, auch Schauspielerin Christiane Hörbiger erschien zum Ballereignis des Jahres. Der Präsident des Fußballvereins Sturm Graz, Hannes Kartnig, verkündete lautstark "Alles supa!" und fügte hinzu: "Sowas sollt man net abschaffen."
Dass es so weit nicht kommen wird, ist auch die Überzeugung des Philharmonikerballchefs Franz Zamazal. "Einen so schönen Opernball habe ich noch nicht erlebt. Wenn man das Leuchten in den Augen der jungen Menschen gesehen hat - die nehmen das mit. Die werden sich ihr Lebtag dran erinnern, wie sie hier herunten gestanden sind und die Eröffnung getanzt haben", sagte Zamazal. "Den Opernball wird's immer geben ..."
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