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Raubüberfall in Stolberg
Wenn Kriminelle die Hilfsbereitschaft ausnutzen

Die Maschen der Trickbetrüger
Die Maschen der Trickbetrüger FOTO: dpa, frg fpt
Düsseldorf. In der Nähe von Aachen ist ein Mann ausgeraubt worden, nachdem er einem vermeintlich Verletzten helfen wollte. Viele stellen sich nun die Frage, ob man bei Unfällen überhaupt noch helfen soll.  Von Franziska Hein

Wenn Helfer zu Opfern eines Raubüberfalls werden, ist das besonders perfide. Denn die Täter täuschen ihre Opfer über ihre vermeintliche Hilfslosigkeit. Man könnte sagen, dafür dass sich jemand besonders aufmerksam und hilfsbereit verhält, wird er auch noch bestraft. Für Resonanz im Netz sorgt ein Fall aus Stolberg in der Nähe von Aachen. Dort ist ein Autofahrer in der Nacht zu Dienstag überfallen und ausgeraubt worden, als er neben einer vermeintlich verletzten Person anhielt und ausstieg, um zu helfen.

Laut Polizei war der Autofahrer gegen 22.15 Uhr auf einer Landstraße unterwegs, als ihm ein Mann auffiel, der auf allen Vieren am Straßenrand hockte. Der 38-jährige hatte den Eindruck, der Mann benötige Hilfe, sagte eine Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Aachen gegenüber unserer Redaktion. Deswegen habe der Mann angehalten und sei ausgestiegen. Doch der vermeintlich Verletzte entpuppte sich als Lockvogel für einen Raubüberfall. Als sich der 38-Jährige über ihn beugte, kam ein zweiter Täter dazu, den der Mann vorher nicht bemerkt hatte. Die Unbekannten raubten dem Autofahrer Mobiltelefon und Portemonnaie und flüchteten anschließend. Der Mann verständigte die Polizei, er erlitt leichte Verletzungen. Die Ermittlungen dauern an, teilte die Polizei in Aachen mit. Bisher fehlt jede Spur von den Tätern. 

Im Rheinland ereignete sich ein weiterer Fall

Ein ähnlicher Fall trug sich Ende Mai im Rheinland in der Nähe von Bornheim zu. Dort war eine 43-jährige Frau Opfer derselben Masche geworden. Früh morgens war sie mit ihrem Auto auf einer Landstraße unterwegs und hatte eine regungslose Frau am Straßenrand liegen sehen. Als sie ausstieg, um nach der Frau zu sehen, kamen zwei Männer aus dem naheliegenden Waldstück, die sie an den Haaren zogen und versuchten, sie abzutasten. Die Frau schrie laut um Hilfe und  schlug das Trio in die Flucht. 

Beim Landeskriminalamt NRW ist diese Masche bei Raubüberfällen bekannt. Sie funktioniert ähnlich wie der "Wasser-Glas-Trick" von Trickbetrügern. Dabei klingeln vermeintlich schwangere Frauen oder ältere und krank wirkende Personen an der Haustür und fragen nach einem Glas Wasser. Ein Mittäter nutzt die Gelegenheit aus, um sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen. "Für Opfern kann das psychische Folgen haben: Ihr Wille zu helfen, wurde schlichtweg missbraucht. Das erzeugt dann oft ein Gefühl der Unsicherheit, der Angst und des Misstrauens", sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings. Viele stellen sich nun die Frage, ob man überhaupt noch helfen kann, ohne selbst ein Risiko einzugehen. Wir erklären, wie man sich richtig verhält. 

Muss ich überhaupt aussteigen und helfen? Laut Landeskriminalamt NRW hat man seine Pflicht erfüllt, wenn man den Notruf von Polizei und Rettungsdiensten wählt. Ist man alleine unterwegs, sollte man nicht aussteigen, wenn man die Situation nicht richtig überblicken kann, rät der Sprecher des LKA. "Gerade nachts ist Vorsicht geboten." Dann gelte, etwas entfernt von der vermeindlichen Unfallstelle rechts ranfahren, den Notruf wählen und möglicherweise weitere Autos mit der Lichthupe auf die Situation aufmerksam machen. 

Kann ich wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden, wenn ich weiterfahre? Rechtlich ist das möglich, es gibt einen Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung, der mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft werden kann. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass es sich um eine Notsituation gehandelt hat, in der man rettende Hilfe verweigerte, kann man belangt werden. Andererseits sind Verurteilungen selten. "Im Behördenalltag kommen Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung im Straßenverkehr fast nie vor", heißt es bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft.  

Kommen solche Raubüberfälle häufiger vor? In der Polizeistatistik wird zwischen verschiedenen Arten von Raubüberfällen nicht unterschieden. Daher geben die Statistiken keinen Aufschluss darüber, ob diese Masche zugenommen hat. Insgesamt ist der Eindruck beim LKA, dass solche Fälle gelegentlich vorkommen, sich aber in jüngster Zeit nicht häuften. 

Haben solche Vorfälle Einfluss auf die Hilfsbereitschaft der Menschen? Beim NRW-Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes kann man nicht festgestellen, dass durch solche Vorfälle die Hilfsbereitschaft der Menschen abnimmt. Sie sei über die Jahre hinweg kontinuierlich, wie ein Sprecher mitteilte. "Straftaten wie diese dürfen kein Grund dafür sein, zu resignieren und Hilfsbereitschaft in Zukunft zu unterlassen", sagt Bianca Biwer vom Weißen Ring. 

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