Pierre Geisensetter schafft einzigen K.o. des Abends: Ring frei für die Promi-Prügelei
zuletzt aktualisiert: 28.10.2002 - 09:47Düsseldorf (RP). Wildwest in Köln - RTL ließ die Fäuste fliegen: Mehr oder minder bekannte Zeitgenossen durften sich gegenseitig auf die Nase hauen. Für den Privatsender ging die Rechnung auf: Die Quote stimmte.
Es war genau 22.53 Uhr, als ein blutüberströmter Claude-Oliver Rudolph zu Boden donnerte. Als Frauen kreischten, Männer grölten, und sich die RTL-Mäuschen am Ring entsetzt die Hände vors Gesicht schlugen. Mit voller Wucht war die rechte Faust des fast 90 Kilogramm schweren, Mucki-Buden-gestählten Moderators Pierre Geisensetter in das bereits arg lädierte Antlitz des Filmbösewichts Rudolph geschnellt und hatte den aggressiven Kampfsport-Künstler umgehauen wie einen nassen Sack: K.o. in der vierten Runde. Geisensetter ließ sich feiern, und die Kameramänner am Geviert wischten die Blutspritzer von ihren Arbeitsgeräten.
Dass das erste "RTL Promi-Boxen" (5,28 Millionen Zuschauer, 20 Prozent Marktanteil) noch eine derart dramatische Wendung nehmen sollte, war anfänglich kaum abzusehen. Im ersten "Kampf" des Abends hatten sich der trällernde Extremsportler Joey Kelly und der als "Hippie-Killer" auftretende Schauspieler Ralf Richter eine derart harmlose Rauferei geliefert, dass manchem Haudegen im Publikum der Kragen platzte. "Jetzt gib ihm endlich", brüllten ungeduldig die breitschultrigen Herren aus der Umgebung einer Hamburger Kiez-Größe.
nd andere selbsternannte Boxexperten grölten wenig feinfühlig in Richtung Ring: "Ist das hier Riverdance, oder was?" Lediglich die erste und letzte gelunge Schlagkombination des späteren Punktsiegers Kelly ließ zum Ende der fünften Runde schließlich doch noch erahnen, dass die Kontrahenten für dieses Aufeinandertreffen mehrere Wochen lang trainiert hatten.
Tatsächlich wurde aber schon so manche Pausenhof-Keilerei versierter geführt als das grobmotorische RTL-Promi-Prügeln. Somit war die als "Werbung für den Boxpsort" verbrämte Veranstaltung ganz offensichtlich nicht mehr als ein Zugeständnis an die Lust des Publikums, mehr oder minder populären Zeitgenossen dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig auf die Omme hauen. Wer je einen Muhammad Ali durch den Ring hat tänzeln sehen, wird sich mit Grausen abgewendet haben.
Verona spielte Reporterin
Auch Moderator Kai Ebel, Reporterin Verona Feldbusch und Experte Axel Schulz machten allenfalls gute Miene zum schlechten Spiel. Ebel kämpfte mit seinen Interviewpartnern, Schulz mit der Grammatik und Feldbusch, die in einem ebenso knappen wie knallig roten Lederleibchen durch die Reihen stolzierte, mit der Aufgabe, nichtssagenden Starlets tiefschürfende Weisheiten zur Welt des Sports zu entlocken: "Was hälst du als Frau vom Boxen?"
Da fügte es sich harmonisch ins Gesamtbild, dass RTL zuletzt zwei Damen in den Ring schickte, die so gut boxen können, wie Kühe fliegen. Zwischen Michaela Schaffrath alias Ex-Porno-Star Gina Wild (Kampfmotto: "Immer ran an die Wurst!") und Rockröhre Doro Pesch entbrannte schließlich ein wildes Gefuchtel zänkischer Weiber, das auch nicht im Entferntesten an einen elegant geführten Faustkampf erinnerte. Eher drängte sich der Verdacht auf, dass die beiden ohne ihre Boxhandschuhe sich übelst an den Haaren gezogen und das Gesicht zerkratzt hätten. Auf der Tribüne nahm man es immerhin noch mit Galgenhumor: "Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pesch dazu", witzelte ein Zuschauer unter Anspielung auf einen Fußballer-Sinnspruch.
Derlei geistreiche Kritik beeindruckt die RTL-Macher indes recht wenig. Der Kölner Privatsender hat bereits angedroht, weitere Promi-Boxkämpfe veranstalten zu wollen. Und vielleicht gibt es dann auch ein Wiedersehen mit "Gentleman" Henry Maske. Der war dem ersten Promi-Boxen nämlich ferngeblieben. Er wusste wohl warum.
Jörg Diehl
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







