Beatle trommelt immer noch gern: Ringo Starr wird 60
zuletzt aktualisiert: 03.07.2000 - 10:23London (dpa). Er war der kleinste und der komischste, sicher nicht der genialste, aber dafür der bodenständigste und lange auch der populärste Beatle: Von keinem anderen wurden in den 60er Jahren so viele "I love you"-Sticker verkauft wie von Ringo Starr. Nebenbei ist er auch der älteste der unsterblichen Vier.
Am 7. Juli wird er 60, und anders als viele andere Promis, die das Rentenalter erreichen, behauptet er nicht, noch viele Pläne zu haben. Starr, der Mann mit dem Hundeblick, macht im Wesentlichen das, was er schon immer gut konnte: Relaxen.
Seine Familie hat ihn geprägt. Wenn sein Stiefvater ihm zu Weihnachten kein Schlagzeug geschenkt hätte, wäre er vielleicht bei der Post geblieben. Und wenn Oma nicht versucht hätte, aus dem Linkshänder einen Rechtshänder zu machen, hätte er nie den berühmten Ringo-Rhythmus entwickelt. Er spielt "gegen den Uhrzeigersinn", sagt er, zwar mit Rechts, "aber rückwärts". Der typische "Pudding Sound" entstand dadurch, dass er Leinentücher auf die Felle seiner Trommeln legte. Dennoch war nicht jeder von seinen Fähigkeiten beeindruckt. "Mein Hund spielt besser Schlagzeug", behauptete Muhammed Ali.
Als Sänger oder Komponist trat "the Nose" zu Beatle-Zeiten kaum in Erscheinung. Nur bei "Yellow Submarine" und "With a Little Help From My Friends" durfte Ringo ans Mikrofon, und seine beiden einzigen Beatles-Songs sind "Don't Pass Me By" und "Octopus's Garden". Oft glaubte er, ihm sei etwas Hitverdächtiges eingefallen, doch wenn er es dann John Lennon oder Paul McCartney vorspielte, unterbrachen die ihn, um ihm mitzuteilen, dass das schon jemand anders geschrieben habe. "Ich hatte das dann wohl im Radio gehört und es unbewusst noch einmal selbst komponiert."
Dafür bereicherte der Junge aus einem der schlimmsten Liverpooler Hafenviertel die Band mit seinem heiteren Naturell. Auch sorgte er dafür, dass seine Kollegen nicht völlig abhoben. Pilgerfahrten zu indischen Gurus in den Himalaya erinnerten ihn an Zeltlager aus seiner Jugend. Nach seiner Botschaft für die Welt befragt, sagte er einmal: "Botschaft? Ich bin nicht das Postamt." Dieser und andere "Ringoismen" sicherten ihm trotz seines begrenzten Talents einen zentralen Platz im Beatles-Schrein.
Nach dem Auseinanderfallen der Gruppe holte er seine Gesangsambitionen als Solist nach. Er versuchte es mit Big-Band- Schlagern und Western-Songs, doch bis auf das Album "Ringo" war der Erfolg so mäßig, dass er Anfang der 80er Jahre keinen Produzenten mehr fand. So stieg er ins Filmgeschäft ein und übernahm freiwillig und unfreiwillig komische Parts als "Sohn des Dracula" und grunzender Steinzeitmensch in "Caveman - Der aus der Höhle kam".
Während der 80er Jahre war er meistens betrunken. Doch eine Entziehungskur in den USA hatte schließlich Erfolg. Die meiste Zeit verbringt er nun in seinen extravaganten Häusern in Los Angeles, Monte Carlo und London, hört im Garten den Vögeln zu und geht spazieren. Ans Schlagzeug setzt er sich nur noch zum Spaß. "Meine Mama sagte immer, ich sei nie glücklicher als beim Trommeln, und ich glaube, das stimmt heute noch."
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