| 09.29 Uhr

Luxuszug
Romantische Reise mit dem "Rheingold"

Düsseldorf. Die Fahrt mit dem nostalgischen Luxuszug durchs Rheintal entführt in die Wirtschaftswunderjahre. Highlight des ausschließlich mit Abteilen der ersten Klasse ausgestatteten Zuges ist der Panoramawagen. Von Franz Hünnekens

Mit einer Pünktlichkeit, die ich in 30 Jahren als Bahnpendler nicht erleben durfte, läuft am frühen Morgen der "AKE Rheingold" in den Düsseldorfer Hauptbahnhof ein. Noch schnell ein Foto vor dem beige lackierten Zug mit dem purpurroten Streifen - und dann geht's los. Alle Wagen erste Klasse! Punkt 6.27 Uhr beginnt die Rheinrundfahrt nach Boppard im nostalgischen Luxuszug der Wirtschaftswunderjahre.

Rund 180 Gäste nehmen an der Tagestour der AKE-Eisenbahntouristik teil. Die führt von Wuppertal über Düsseldorf nach Köln. Dann rechtsrheinisch weiter bis Mainz und am linken Stromufer über Boppard zurück zu den Ausgangsbahnhöfen. 522 Kilometer insgesamt, wobei der erste Teil der Strecke bis zur Landesgrenze NRW/Rheinland-Pfalz 90,13 Kilometer beträgt. Die wollen wir auf unserem 1000-km-NRW-Konto verbuchen. Doch die dann folgenden durch das Obere Mittelrheintal dürfen wir nicht verschweigen. Schließlich trägt es den Titel "Weltkulturerbe".

Zunächst zurück nach Düsseldorf, wo für mich die Reise beginnt. Ich habe es mir im rot-orange-gestreiften Ohrensessel im Großraumabteil gemütlich gemacht. Gardinen schmücken die großen Fenster, Edelholzfurnier die Wände. Ausziehbare Aschenbecher sind in den Armlehnen eingebaut und in der Gepäckablage lassen sich auch Schrankkoffer verstauen. Ein technisches Denkmal auf Schienen.

Über Leverkusen geht es Richtung Köln. Ich bin in den Speisewagen gewechselt und als wir in den Hauptbahnhof einlaufen, wird mir gerade das "Große Rheingold-Frühstück" serviert. Zeit für die Lektüre des Bordmagazins. "1962 gelang der Deutschen Bundesbahn ein Meilenstein in der Eisenbahngeschichte. Der ,Rheingold' bestand jetzt (sein Vorgänger wurde schon 1928 eingesetzt) ausschließlich aus Wagen der ersten Klasse, bot erneut ebenso großzügige Platz- wie Komfortverhältnisse und setzte mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h (später 200 km/h) neue internationale Maßstäbe. Ab 1965 wurde der Zug zum TransEuropExpress (TEE) klassifiziert. Fortan, bis zu seiner endgültigen Einstellung im Mai 1987, war neben der Erste-Klasse-Fahrkarte auch ein TEE-Zuschlag zu zahlen."

Dann taucht das Siebengebirge auf. Es folgen Bad Honnef, Linz, Neuwied - und zur Rechten habe ich den Vater Rhein immer im Blick. Noch liegt ein leichter Nebel über dem Strom, doch die Sonne zeigt sich immer häufiger, und so zieht es mich in den Panoramawagen. Er ist der Star des "Rheingolds". Man geht einige Stufen hoch und befindet sich unter einer Glaskuppel. Bequeme Sessel, kleine Tischchen, vielleicht schon ein Gläschen Wein? Hier hat Wirtschaftswunder-Minister Ludwig Erhard seine Zigarre gepafft und Stars und Sternchen haben ihren Ruhm genossen.

Der Aussichtswagen ist schon gut gefüllt. Die Landschaft fliegt förmlich vorbei. Links die Felsen, rechts der Rhein. Um 9.10 Uhr ist die Loreley erreicht. Dann grüßt - bitte in Fahrtrichtung rechts - die Pfalz bei Kaub. Schlag auf Schlag geht es weiter. Der Bordlautsprecher nennt die Burgen und beschreibt das Schicksal adliger Geschlechter. Von bösen Raubrittern ist die Rede und schönen Burgfräuleins. Dann der Mäuseturm, links die Drosselgasse, wir sind in Rüdesheim. Bei Mainz ist dann erst mal Schluss mit Rheinromantik. Um die Seite zu wechseln, rollt der Zug über die Nordbrücke. Es folgt ein Industriegebiet und ich habe Zeit, mit dem Zugchef zu sprechen. Frank Bleske ist Eisenbahner durch und durch und seit Jahren dabei. Auch auf den Mehrtagesfahrten, beispielsweise nach Meran oder Binz auf Rügen, betreuen der 52-Jährige und sein 15-köpfiges Team die bis zu 380 Gäste. "Wir genießen die nostalgische Fahrt, denn durch die vielen Regularien, denen wir heute unterliegen, geht der Luxus von einst immer mehr verloren", sagt er. Der "Rheingold" setzt da noch Zeichen.

Dann hört das Industriegebiet endlich auf, und der Zug steuert sein Etappenziel Boppard an. Drei Ausflugspakete werden angeboten: Stadtführung, Weinverkostung oder Schiffsrundfahrt. Man kann aber auch alleine durch die Gässchen flanieren. Als dann der Zug pünktlich um 15.33 Uhr Boppard Richtung NRW verlässt, geht mir Heinrich Heine durch den Sinn. Und auch ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass Nostalgie, in einem Zug am Rhein genossen, so schön sein kann.

Quelle: RP
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