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London
Royale Charme-Offensive in Kanada

London. Erstmals werden beide Kinder von Kate und William, Prinz George und Prinzessin Charlotte, im Ausland mit dabei sein. In Kanada wertet man das als ein Signal für den Fortbestand der Monarchie. Von Jochen Wittmann und Jörg Michel

Die Kanadier sind vorgewarnt: Bitte keine Selfies mit den Royals! Wenn Prinz William samt Familie heute zu einer achttägigen "Royal Tour" in Kanada eintrifft, sind die Einheimischen gebeten, von "persönlichen Fotografien" Abstand zu nehmen. Die Weisung des "Department of Canadian Heritage" erlaubt ihnen allerdings, auf einen Hofknicks zu verzichten, wenn sie Kate und William begegnen sollten. Wer es dennoch tun will, dem rät die Behörde, wie das geht: Herren mögen etwas tiefer nicken und Damen den rechten Fuß hinter die linke Ferse setzen und dann das Knie leicht beugen.

Die Kanadier werden sich zu benehmen wissen. Immerhin war die Nummer zwei der britischen Thronfolge schon 2011 wenige Monate nach seiner Heirat mit Kate im Land, und die Visite wurde der erste große PR-Erfolg des königlichen Paars. Der Umstand, dass innerhalb von fünf Jahren die Royals einen zweiten Besuch in der ehemaligen britischen Kolonie abstatten, verrät, wie wichtig Kanada für das britische Königshaus ist. Noch ist hier die Queen das Staatsoberhaupt, aber republikanische Tendenzen werden immer stärker. Die "Royal Tour" soll helfen, die loser werdenden Bande mit dem britischen Königreich wieder zu festigen.

Aus diesem Grund wird William gleich seine ganze Familie mitbringen. Es brauchte die spezielle Erlaubnis seiner Großmutter Elizabeth II., damit der Prinz mit seiner Frau Kate, dem dreijährigen Sohn George und der 16 Monate alten Charlotte zusammen in einem Flugzeug anreisen durfte, denn aus Sicherheits- und dynastischen Gründen gilt die Regel, dass unmittelbare Thronfolger normalerweise getrennt reisen. Die Kinder sind bei diesem Besuch sozusagen die Geheimwaffe. Prinz George hatte schon vor zwei Jahren auf einer Tour in Australien und Neuseeland sich den Spitznamen "Republikanerschreck" eingehandelt, weil er so niedlich gucken konnte und damit die Zustimmungswerte für die Monarchie kräftig anhob. Jetzt bekommt er Unterstützung von seiner gleichfalls niedlichen kleinen Schwester. Es wird das erste große Auftreten der kleinen Prinzessin, die bisher nur bei zwei Anlässen in der Öffentlichkeit zu sehen war. Kanadische Medien sprechen schon von einem "Charlotte-Fieber".

Trivial mag das scheinen, aber unerheblich ist es nicht. Zwar sind die Kanadier zurzeit durchaus königinnentreu: Laut einer jüngsten Umfrage möchten 64 Prozent die Queen als ihr Staatsoberhaupt beibehalten. Aber bei der Nachfolge kriselt es: Nur 46 Prozent wollen Prinz Charles als König akzeptieren. Und nur 42 Prozent der Bürger denken, dass das Land "auf Generationen hinaus" noch eine Monarchie bleiben soll. Da liegt es nahe, dass die Windsors ihren kanadischen Untertanen mit dem Besuch nahelegen, dass nach einem nicht so populären Charles ein König William und danach ein König George auf sie zukommen werden. In das achttägige Besuchsprogramm wurde eine Menge hineingepackt. 32 offizielle Termine hat das königliche Paar zu absolvieren, darunter Mountainbiking, Angeln und Kanupaddeln in Naturreservaten, ein Treffen mit nativen Indianern oder Gespräche mit syrischen Flüchtlingen in Vancouver.

Dabei werden Prinz George und Prinzessin Charlotte nicht mitmachen, sie bleiben in Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, während ihre Eltern Tagestrips unternehmen. Allerdings ist in Victoria eine Kinderparty geplant, von der sich die Paparazzi viel versprechen, denn eingeladen dazu sind auch die drei Kinder von Premierminister Justin Trudeau. Das Treffen der Trudeaus mit den Royals dürfte einer der Höhepunkte der Tour werden. Die Gattin des Premierministers, eine ehemalige Fernsehmoderatorin und Yogalehrerin, wird als "attraktivste First Lady in der Welt" gehandelt. Von ihrer Begegnung mit der glamourösen Herzogin von Cambridge erhoffen sich die Medien einen "Modekrieg", denn Sophie Trudeau ist bekannt dafür, die Kreationen von kanadischen Designern schauzulaufen, während Kate das gleiche mit britischen Modelabeln unternimmt.

Quelle: RP
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