Volle Rückendeckung von Roland Kaiser: Schlagerstars: Lasst Ingo in Ruhe!
zuletzt aktualisiert: 06.09.2001 - 15:09Dresden (rpo). Roland Kaiser und Bernhard Brink fordern im Fall des wegen seiner Stasi-Mitarbeit in die Schlagzeilen geratenen ARD-Moderators Ingo Dubinski Zurückhaltung. In den alten Bundesländern hätten die Westdeutschen nie in der Situation gesteckt, einem Druck standhalten zu müssen, wie das Bürger der ehemaligen DDR hätten erleben müssen, sagte Kaiser.
Zugleich verwies Kaiser auf einen Vers aus der Bibel, wonach derjenige, der ohne Schuld sei, den ersten Stein werfen möge. "Ich bin sicher, dass dann viele Menschen den in ihrer Hand befindlichen Stein wieder fallen lassen müssen", sagte Kaiser.
Dubinski sei zu dem Zeitpunkt, wo er das gemacht habe, ein sehr junger Menschen gewesen, der "eine moralische Festigkeit in dieser Art nicht haben konnte", fügte der Sänger hinzu. Er selbst habe ihn immer als einen fairen Kollegen angesehen und nie erlebt, dass der nach unten getreten oder den Moderatorstar habe heraushängen lassen. Für Dubinski, der eine Familie zu ernähren habe, könne so etwas eine "menschliche Tragödie sein." Am meisten ärgere ihn, dass diejenigen, die jetzt mit dem Finger auf den Moderator zeigten, "am meisten Dreck am Stecken hätten", sagte Kaiser. Prominente müssten immer herhalten nach dem Motto: Da werden wir jetzt einmal ein Exempel statuieren.
Kaiser: Am besten alle Akten weggeschmissen
Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte man nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten alles auf Null gefahren und die ganzen Akten weggeschmissen, fügte Kaiser hinzu. So etwas habe man ja schließlich oft nach dem Ende des Dritten Reiches gemacht, betonte der Sänger.
Bernhard Brink verwies darauf, dass es ihn unheimlich nerve, dass zwölf Jahre nach der Wende jetzt die Stasi-Geschichten wieder hochgekocht würden. Er sprach zugleich von einer Jugendsünde. Dubinski sei zu jener Zeit unreif gewesen und habe in einem System gelebt, wo man nicht wusste, ob sich das jemals ändern werde. Außerdem "weiß ich nicht, ob wir alle, die im Westen gelebt haben und die Nase rümpfen, zum Helden geboren wären."
Keiner wurde zur Zusammenarbeit mit der Stasi gezwungen
Indirekte Kritik am Fall Dubinski übte dagegen die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler. Jeder habe die Möglichkeit gehabt, sich der Zusammenarbeit mit der Stasi zu verweigern, sagte Birthler dem Berliner Fernsehsender "XXP" und fügte hinzu: "Es sind unglaublich viele, die Nein gesagt haben." Im übrigen müssten bestimmte Berufsgruppen wie Lehrer, Journalisten oder Künstler einen hoher Anspruch der Öffentlichkeit auf Vertrauenswürdigkeit ertragen.
Dubinski selbst ist zusammen mit Pfarrer Christhard Rüdiger, den er während seiner IM-Tätigkeit bespitzelt hatte, am Dienstag nächster Woche um 23.00 Uhr in der ARD-Sendung "Boulevard Bio" zu sehen. Die Sendung heißt: "Eine Frage des Mutes". Weitere Gäste sind Schauspieler Hannes Jaenicke, der als junger Mann für seine Überzeugungen auf die Straße gegangen ist, sowie Lena Zühlke und Niels Martensen, die in Genua als Demonstranten gegen den G8-Gipfel von der Polizei misshandelt wurden.
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