Fürstin Gloria von Thurn und Taxis selbst auf der Bühne: Schlossfestspiele in Regensburg
zuletzt aktualisiert: 19.07.2003 - 12:02Regensburg (rpo). Fürstin Mariae Gloria Ferdinanda Joachima Gloria von Thurn und Taxis erfüllt sich einen Kindheitstraum und lud zu Festspielen in ihrem Schloss in St. Emmeram in Regensburg. Die 43-Jährige steht dabei selbst auf der Bühne und spielt die Ansagerin.
Das "Ereignis ohne Gleichen", wie die Fürstin schwärmt, soll künftig einen festen Platz im deutschen Festspiel-Kalender einnehmen. Außerdem will Gloria ein neues gesellschaftliches Highlight schaffen, weshalb zum Auftakt auch einige Adelige und zahlreiche Honoratioren vertreten sind. Wunderschöne Kulisse für die Freiluft-Aufführungen bietet das Stammschloss der Fürstenfamilie, das mit seinen 500 Zimmern nicht nur die größte bewohnte Schlossanlage Deutschlands ist, sondern auch größer ist als der Buckingham-Palast in London.
Auf dem Programm des Premierenabends steht das musikalische Historiendrama "Die Bernauerin" von Carl Orff. Erzählt wird die tragische Liebesgeschichte zwischen einer Augsburger Baderstochter und dem Münchner Herzog Albrecht im 14. Jahrhundert, in deren Verlauf die junge Frau, verleumdet als Hexe, in der Donau ersäuft wird.
Hauptdarstellerin Christine Neubauer begeistert die mehr als 3.600 Zuschauer durch ihr ausdrucksstarkes Spiel. "Sie verkörpert die Verführung geradezu", sagt eine Besucherin in der Pause. Aber Szenenapplaus erhält Neubauer nur für ein kleines Missgeschick: Als die Häscher sie abführen wollen, soll sich die Bernauerin mutig den Mantel umwerfen und den Mördern tapfer voranschreiten. Neubauer verpasst mehrmals den Ärmel und motzt, nachdem sie vom Balkon gerauscht ist, ins versehentlich noch eingeschaltete Mikro: "In den Scheißmantel komm ich net rein."
Eine technische Panne trübt den Auftritt von Fürstin Gloria, die im schwarzen Schwalbenschwanz die Rolle der Ansagerin übernimmt. Ihr Text ist nur zur Hälfte zu verstehen. Während der ganzen, rund dreieinhalbstündigen Aufführungen kommen Ton und Musik des Philharmonischen Orchesters Regensburg und des Kantorei- und Universitätschors mehrmals schrill und übersteuert aus den Lautsprechern.
Neubauer findet die Mikro-Pannen ärgerlich, "weil es aus der Stimmung rausreißt", wie sie nach der Premiere sagt. Die Schauspielerin ist begeistert vom ungewöhnlichen Aufführungsort, dem Innenhof der Schlossanlage: "Dieses Ambiente ist einfach grandios." Besonders gut scheint den Zuschauern zu gefallen, dass im zweiten Akt der gesamte Hof und auch Fenster und Balkone der Quergebäude von den Schauspielern genutzt werden.
Prinzessin spielt DienerinViel Applaus erntet Toni Berger, ein Urgestein der bayerischen Volksschauspielerei, in seiner Rolle als Bürger von Munichen. Der 82-Jährige sei "richtig gut" gewesen, trotz anfänglicher Textschwierigkeiten, urteilt ein Zuschauer.
In Laienrollen sind in der "Bernauerin" zudem prominente Regensburger Bürger zu sehen, darunter auch Prinzessin Maria-Theresia als Dienstmagd. Sie habe ihre Tochter zum Mitmachen überredet, verrät Fürstin Gloria später. Sie selbst habe schon als Kind gern geschauspielert. Aber erst bei ihren eigenen Festspielen stand sie zum ersten Mal auf der Bühne.
Glorias beiden anderen Kinder haben unterdessen die Bühnen-Premiere der Mama verpasst. Prinzessin Elisabeth, die ebenfalls als Statistin auftreten wollte, war kurzfristig verhindert. Und Sohn Albert, der Nachfolger des 1990 gestorbenen Fürsten Johannes, entschied sich statt für Festspiel-Klänge für lautes Motorengeheul bei einem Autorennen.
Die Thurn und Taxis Schlossfestspiele dauern noch bis zum 27. Juli. Auf dem Programm stehen neben der "Bernauerin" die Märchenoper "Die Nachtigall", das Musical "Evita" mit Sängerin Anna Maria Kaufmann sowie Opern- und Operettengalas, unter anderem mit dem argentinischen Startenor José Cura. Außerdem finden an mehreren Nachmittagen musikalische Picknicks und Schlossgartenfeste statt. Der Auftritt der "Chinese Academy of Traditionals Drama" musste wegen SARS abgesagt werden. Insgesamt erwartet Fürstin Gloria rund 30.000 Zuschauer.
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