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Texel
Schon elf Kadaver: Verirrte Pottwale verenden in der Nordsee

Texel. Nach einem stundenlangen Todeskampf sind fünf Pottwale an der Küste der niederländischen Wattenmeer-Insel Texel verendet. Eine groß angelegte Rettungsaktion in der Nacht zu gestern war fehlgeschlagen. Experten begannen sofort mit Untersuchungen. Sie müssten rasch die Todesursache feststellen, sagte eine Sprecherin des Expertenteams. Denn die Organe lösten sich bei Walen sehr schnell auf. In den nächsten Tagen sollen die Kadaver geborgen werden.

Die fünf Wale waren am Vortag noch lebend in der Brandung an der Südspitze der Insel entdeckt worden. Nach dem offiziellen Wal-Protokoll der Regierung wurde ein Rettungsteam eingesetzt, das die Meeressäuger zurück in die offene See treiben sollte. Doch in der Nacht musste die Aktion wegen schlechten Wetters abgebrochen werden. Am Morgen stellten die Experten den Tod aller Tiere fest. Nach Angaben von Meeresbiologen hatten sie in der relativ flachen Brandung kaum eine Überlebenschance.

Auch vor der ostfriesischen Wangerooge wurden in den vergangenen Tagen zwei Pottwal-Kadaver gefunden. Vor Helgoland trieben ebenfalls zwei tote Tiere. An der schleswig-holsteinischen Nordseeküste bei Büsum ist gestern ein dritter Pottwal-Kadaver aufgetaucht, ebenso in der Wesermündung. Damit sind elf tote Tiere angeschwemmt worden.

Die Pottwale haben sich nach Einschätzung einer Wildtierforscherin wohl verirrt. Es sei anzunehmen, dass die Tiere auf ihrer Wanderroute versehentlich in die Nordsee gekommen seien, sagte die Leiterin des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung, Ursula Siebert. Weshalb die Wale einen falschen Weg genommen haben, sei allerdings unklar. "Bisher müssen wir davon ausgehen, dass das ein Phänomen ist, das seit vielen Hundert Jahren auf der Wanderroute der Pottwale stattfindet." Dokumentiert seien Strandungen seit dem 16. Jahrhundert. "Bisher haben wir keine Hinweise, dass ein bestimmter, einzelner Einfluss dazu geführt hat, dass die Tiere in die Nordsee kommen und stranden", erklärte die Forscherin. Die flachen Gewässer im Bereich des Wattenmeers würden zu einer Art Falle. Siebert geht davon aus, dass sich die Pottwale meist auf dem Rückweg der Wanderung durch den Atlantik in arktische Gewässer verirren.

(dpa)
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