Prozessbeginn wegen Freiheitsberaubung: Schüler soll Kinder wie Sklaven gehalten haben
zuletzt aktualisiert: 24.02.2011 - 17:56Düsseldorf (RPO). Ein 17 Jahre alter Schüler soll zwei Heimkinder auf dem Dachboden seines Hauses wie Sklaven gehalten haben. Deshalb muss er sich seit Donnerstag wegen Freiheitsberaubung, Bedrohung, Körperverletzung und einer Vielzahl von Betrügereien vor dem Düsseldorfer Jugendschöffengericht verantworten.
Emre S. soll zwei Heimkinder auf dem Dachboden des Hauses seiner Eltern wie Sklaven gehalten und sie zu Diebstählen und Betrugstaten im gesamten Bundesgebiet gezwungen haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, seine Mutter geschlagen und seinen Vater mit einem Messer bedroht zu haben. Aufgrund des Alters des Angeklagten findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Der 17-Jährige räumte zu Prozessbeginn nur einen kleinen Teil der ihm vorgeworfenen Taten ein. So gab er zu, die Mutter geschlagen und den Vater mit einem Messer bedroht zu haben. Es habe ihm nicht gepasst, dass die Eltern mit ihm hätten reden wollen, erklärte Gerichtssprecher Stefan Coners. Deshalb sei er aggressiv geworden. Zu den weiteren Vorwürfen hätte sich Emre S. nicht äußern wollen.
Zeugen berichten über Angeklagten
Von mehreren Zeugen wurde er den Angaben zufolge schwer belastet. Zwei 13 und 14 Jahre alte Jungen erklärten danach , sie seien vom Angeklagten zu Diebstählen und einer Vielzahl von Betrügereien gezwungen worden. Emre S. habe sie dazu genötigt, in Geschäften in Düsseldorf und vielen weiteren Städten in Nordrhein-Westfalen Spenden für eine überhaupt nicht existierende Partnerschule in Argentinien zu sammeln. Das Geld hätten sie an ihn abgeben müssen.
Einer der beiden Jungen erklärte, er habe sogar seinem Vater knapp 200 Euro gestohlen, weil er Angst vor dem 17-jährigen gehabt hätte. Ein 16-Jähriger räumte ein, freiwillig auf dem Dachboden des Angeklagten übernachtet zu haben.
Ein Ermittler der Polizei erklärte dazu, die Jungen hätten ohne Heizung, Decken, Wärmeisolierung oder Toilette auf dem Dachboden gelegen. Ihre Notdurft hätten sie in einer Ecke verrichtet, es habe nach Fäkalien gestunken, überall hätte Müll herumgelegen. Wie lange die Kinder auf dem Dachboden festgehalten wurden, ist noch unklar.
Im März soll Urteil verkündet werden
Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Angeklagten um einen "jugendlichen Intensivstraftäter". Staatsanwältin Britta Schreiber sagte, es sei bereits wegen verschiedener Delikte wie Bedrohung, Körperverletzung oder Betrug gegen den Jungen ermittelt worden. Zu einer Verurteilung allerdings sei es bislang noch nicht gekommen.
Am 10. März soll der Prozess mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt werden. Gerichtssprecher Coners sagte, wahrscheinlich würde dann auch das Urteil verkündet werden. Emre S. droht eine mehrjährige Jugendstrafe.
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