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Brennball, Möhrenziehen, Völkerball
Das waren die übelsten Momente im Sportunterricht

Schule: Die schlimmsten Momente im Schulunterricht
FOTO: RPO
Düsseldorf. In NRW laufen gerade die Abi-Klausuren - schon bald werden manche Prüflinge wehmütig an ihre Schulzeit zurückdenken. Einige Dinge allerdings vermisst garantiert keiner: die Turnstunden zum Beispiel. Unsere Autorin erinnert sich.  Von Tanja Karrasch

Das Elend der Sportstunde begann meist schon vor den Ballspielen, bei der Einteilung der Mannschaften. Die Klassenkameraden saßen wie Hühner auf der Stange auf den Turnbänken, davor zwei Schüler, denen der Sportlehrer die Macht übertragen hatte. Sie durften abwechselnd wählen. Allen anderen blieb nichts übrig, als inständig zu hoffen, nicht als Letzter aufgerufen zu werden. 

Was als Form der demokratischen Abstimmung gedacht war, wurde in Wahrheit zum Alptraum aller unsportlichen und aus welchen Gründen auch immer akut unpopulären Schüler. Helfen konnte höchstens noch, den Wähler zu bestechen: "Wenn du mich wählst, bin ich freiwillig Hintermann." Die letzten auf der Bank schlurften nach einem gönnerhaften "Na gut, dann halt noch du" mit entschuldigendem Lächeln zu ihrer Mannschaft.  

Weitere üble Erinnerungen an den Sportunterricht: 

Leibchen
Eine 50:50-Chance entschied im Anschluss über Glück oder Unglück, denn eine Mannschaft wurde zu Leibchen verdonnert und durfte sich an einer Kiste bedienen, in der sich grellgelbe Unterhemden befanden. Luftdicht verpackt wurde hier der Körpergeruch pubertierender Achtklässler konserviert, die an den vorangegangenen Tagen dasselbe Schicksal ereilt hatte. 

Völkerball
Sehr gelb und sehr stinkig versuchte die Mannschaft beim Völkerball also, einem Wurfgeschoss auszuweichen. Einem Softball – im besten Fall. Wenn der Sportlehrer keine gute Laune hatte, auch einem Lederball. Und wenn er einen kreativen Tag hatte, dann mit zwei Bällen gleichzeitig. Waren alle Spieler getroffen und somit ausgeschieden, musste der Hintermann ran. Mit drei Leben galt es, die Schmetterbälle der Gegenseite möglichst lange abzuwehren. Wird demnächst übrigens ein großes TV-Event draus. Wer's mag. 

Sitzfußball
Auf dem Allerwertesten rutschte man über den harten Turnhallenboden und kam doch nicht so richtig von der Stelle, geschweige denn an den Ball. Steißbein-Schürfwunden waren programmiert. 

Brennball
Vielleicht sollten uns diese Fähigkeiten auf eine Brennball-Karriere in Skandinavien vorbereiten. In Schweden wird der Sport nämlich professionell betrieben. Eine Mannschaft positioniert sich im Feld, an den Ecken werden Matten ausgelegt. Ein Spieler der anderen Mannschaft wirft den Ball ins Feld und versucht, so schnell wie möglich zur nächsten Station zu kommen, bevor die gegnerische Mannschaft den Ball in ein Gefäß in der Mitte befördert. Wer zu diesem Zeitpunkt noch ungeschickt zwischen zwei Stationen herumtapste, war "verbrannt". Ausgeschieden. Raus.

Möhrenziehen
Verbrennungen gab es auch beim Spiel Möhrenziehen, das uns Schülern im fortgeschrittenen Alter immer häufiger erspart blieb. Etwa bis zur sechsten Klasse aber lagen die Kinder auf dem Bauch im Kreis auf dem Boden. Die Hände der direkten Nachbarn wurden so fest gedrückt, bis die Knöchel weiß wurden. Irgendein Möhrenzieher versuchte mit aller Kraft, einen Auserwählten an den Füßen zu packen und herauszuziehen. Die Schülermöhre wurde also mit der Wange über den staubigen Turnhallenboden schleifend aus dem Kreis gerissen. 

Reck, Barren und Seil
Die Feinde aller Schüler, die nicht für olympische Disziplinen taugen, haben viele Namen: Sie heißen Reck, Barren und Bock. Wahlweise auch Ringe, Kletterstange oder Seil. Sie waren ein legitimer Grund, akute Was-auch-immer vorzutäuschen und den Sportunterricht frühzeitig zu verlassen. Das harte Seil auch nur einen Meter hochzuklettern so wie Tarzan an einer Liane – es war schlicht unmöglich. "Du Tarzan, ich nix", dachte man beim Anblick der Klassenkameraden, die sich in Windeseile in schwindelerregender Höhe kurz unter dem Turnhallendach befanden. Spaß machte es dagegen, auf dem dicken Knoten am unteren Ende des Seils sitzend hin und her zu baumeln. Das gab allerdings keine gute Note. 

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