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"Geisterschiff" sorgt für Aufsehen in der Türkei: "Schwimmender Schrotthaufen" will durch den Bosporus

zuletzt aktualisiert: 05.10.2001 - 14:13

Istanbul (rpo). Noch hat es niemand am Horizont ausgemacht. Doch in Istanbul ist es in aller Munde: das "Geisterschiff" Varyag. Ein 310 Meter langer Riese der Meere - ohne Antrieb und ohne Ruder. Seit Monaten zieht der von der Ukraine an eine Tourismusfirma in China verkaufte Flugzeugträger im Schwarzen Meer seine Kreise - mangels eigener Maschine gezogen von einem Schlepper.

Trotz allen Drängens der chinesischen Investoren haben die türkischen Behörden der Varyag bislang die Durchfahrt durch den Bosporus verweigert. Zu groß erscheint das Risiko, dass das nur zu 70 Prozent fertig gestellte Schiff außer Kontrolle gerät, kollidiert oder auf Grund läuft und somit die viel befahrene Meerenge auf Monate blockiert.

"Im Grunde genommen kann man die Varyag kaum ein Schiff nennen", sagt Hücum Tolgar, Generaldirektor der Verwaltung für Küstenschutz und Schiffsrettung. Treffender sei es von einem "schwimmenden Schrotthaufen" zu sprechen. Sollte es zu einem Unfall kommen, müsse die Meerenge mindestens sechs Monate geschlossen werden.

Am kritischsten sei der Abschnitt bei Kandilli, wo der für seine starken Wirbel und Gegenströmungen berüchtigte Bosporus gerade einmal 700 Meter breit ist. Zusammen mit den Schleppern käme die Varyag, deren Fläche drei Fußballfelder misst, auf eine Gesamtlänge von 500 Metern. Sobald der Konvoi einmal in den Bosporus eingefahren sei, wäre eine Umkehr unmöglich, sollte sich das Wetter ändern oder der Wind drehen, sagt Tolgar.

Unterdessen zieht das "Geisterschiff", das einst ein Juwel der sowjetischen Marine werden sollte, weiter seine Kreise. Die Varyag, ein Schwesterschiff des russischen Flugzeugträgers Kuznetsov, ging nach dem Zerfall der Sowjetunion in den Besitz der Ukraine über. Diese verkaufte das unfertige Schiff vor drei Jahren an die Agencia Turistica e Diversoes Chong Lot Limitada im ehemals portugiesischen Macao an der Küste Südchinas.

Umbau in Hotel Casino geplant

Dort soll die Varyag angeblich in ein schwimmendes Hotel-Casino umgebaut werden. Russische Presseberichte, die kleine Firma in Macao sei nur vorgeschoben, in Wirklichkeit wolle die Regierung in Peking auf diese Weise zu ihrem ersten Flugzeugträger kommen, wurden seinerzeit von chinesischer Seite dementiert.

Während Türken und Chinesen über die technischen Bedingungen der Bosporus-Passage und Milliardenbürgschaften zur Absicherung möglicher Schäden feilschen, werden im türkischen Fernsehen vor allem die gigantischen Ausmaße und der Furcht einflößende Zustand des Riesenschiffs vorgeführt. Nebenbei ist auch von zwei Millionen chinesischen Touristen die Rede, die nach einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen angeblich jedes Jahr in die Türkei kommen werden - vielleicht um sich den Bosporus aus der Nähe anzusehen?

Quelle: RPO Archiv

 
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