Neue Therapie in den USA: Schwuler und Lesbe leben als Heteropaar zusammen
zuletzt aktualisiert: 09.05.2001 - 15:07Colorado Springs (rpo). Wenn John Paulk von der Arbeit in sein Vororthaus in Colorado Springs heimkehrt, warten Ehefrau Anne und der gemeinsame Sohn Timmy schon auf ihn. Das Bild des kleinen amerikanischen Traums ist perfekt. Doch noch vor wenigen Jahren hätten Anne und John eine solche Familienidylle für unmöglich gehalten. Er war schwul und sie eine Lesbe.
Mit Begeisterung und der festen Überzeugung, sie seien eben so geboren, führten die beiden diesen Lebensstil vom Teenageralter an.
"Mit neunzehn wurde ich ein Prostituierter und habe mit Sex sehr viel Geld verdient," erinnert sich der heute 41-jährige Paul, "dann wurde mir das zu langweilig und ich beschloss, Transvestit zu werden. Ich war so erfolgreich, dass ich die nächsten vier Jahre nichts anders mehr machte." Doch die sexuellen Eskapaden seiner Dragqueen-Zeit brachten John nicht Befriedigung, sondern schwere Depressionen. Er machte die Homosexualität dafür verantwortlich und begab sich in eine "Anti-Schwul-Sein-Therapie".
Dort lernte er die Mutter seines Sohnes kennen. "Ich erinnere mich, wir haben Schach gespielt," so Anne, "eigentlich mochten wir beide Schach gar nicht. Dann haben sich unsere Knie berührt und ein Schauer überkam uns. Paul machte die ersten Annäherungsversuche, es war großartig, einfach eine wahnsinnig aufregende Zeit." Ein Jahr später heirateten der Ex-Schwule und die 'bekehrte' Lesbe. Solche 'Erfolge' verspricht Psychologe Joseph Nicolausi. Er hält Hetero-Menschen für die einzig Wahren.
"Ich bin überzeugt, Homosexualität ist von Grund auf unvereinbar," erklärt Dr. Nicolausi, "die Körper passen nicht zusammen. Die Psychen passen nicht zusammen. Es ist gegen die Gesellschaft, gegen die Kultur, gegen die Zivilisation, einfach gegen die Natur. Und gegen alle großen Religionen. Deswegen sind Homosexuelle nicht glücklich".
In der Gesprächs-Therapie sollen die Homosexuellen lernen, sich mit ihrem eigenen Geschlecht zu identifizieren. Dann kämen Hetero-Gefühle ganz automatisch. Beim 27-jährigen Clint kam auch nach fünf Jahren Therapie außer Frustration gar nichts.
"Vor zwei Jahren habe ich die Therapie abgebrochen" erzählt Clint, "und bin seitdem glücklich wie nie zuvor. Während der Therapie war ich schwer depressiv, es war einfach schrecklich. Jetzt genieße ich mein homosexuelles Leben, ich freue mich auf jeden neuen Tag." Solche Geschichten hört John Paulk, der jetzt auch ein Buch über seine Wandlung geschrieben hat, natörlich gar nicht gern.
"Ich bin wütend auf alle Schwulen, die versuchen, unsere Geschichte zu verneinen," so Paul, "es gibt nichts Homosexuelles mehr in unserem Leben, unserem Verhalten oder unseren Gedanken. Wir sind ein verheiratetes Paar und wir sind nicht die einzigen. Es gibt viele Menschen, die das gleiche erreicht haben, aber natürlich schafft es nicht jeder."
Die Paulks schämen sich nicht für ihre Vergangenheit. Vor ihrem Sohn Timmy möchten sie nie etwas geheimhalten und ihm so früh wie möglich die Wahrheit mitteilen. Trotz Familienglück ist das Heteroleben aber nicht immer einfach "Manchmal gibt mir die Vergangenheit Geborgenheit," erklärt Anne, "es scheint, sie enthält alle Antworten, weil die schlechten Erinnerungen mit der Zeit ganz verblassen. Und wenn mit meinem jetzigen Leben manchmal überfordert bin, dann denke: Die alten Tage waren doch schön....aber ich weiß, sie waren es nicht."
Auch wenn sie ab und zu über die kleinen Probleme des Ehe-Alltags stolpern, die Paulks sind sich sicher: Mit ihrem neuen Leben haben sie den richtigen Weg eingeschlagen.
Autorin: Katja Lau
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