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Harlingen
Kapitän von Unglücksschiff vernommen

Segelunfall in Holland: Kapitän von Unglücksschiff vernommen
FOTO: dpa, leo bm
Harlingen. Die Polizei prüft, ob der Kapitän des Segelschiffes, auf dem in den Niederlanden drei Deutsche von einem Teil des Mastes erschlagen wurden, grob fahrlässig gehandelt hat. Deutsche Schulen halten an Klassenfahrten zum Ijsselmeer fest. Von Emily Senf

Nachdem am Sonntag im Hafen des niederländischen Ortes Harlingen auf einem Segelschiff drei Deutsche von einem herabfallenden Teil des Mastes erschlagen worden waren, ist die Ursache für das Unglück weiterhin unklar. Wie die Polizei in Harlingen bestätigt, wurde der Kapitän noch am Sonntagabend vernommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Als Eigner sei er für das Schiff verantwortlich. Es werde nun geprüft, ob er grob fahrlässig gehandelt hat.

Das Boot war nach einem Segeltörn auf dem Ijsselmeer in den Hafen eingefahren, als ein Teil des Mastes abbrach und auf die drei Personen stürzte. Die Toten sind laut der Polizei der Provinz Friesland Männer im Alter von 19, 43 und 48 Jahren, bei denen es sich nicht, wie zunächst angenommen, um Angehörige einer einzigen Familie handeln soll.

Die Opfer gehörten demnach zu einer Gruppe von zwölf Passagieren, die auf dem 1889 gebauten Segelschiff "Amicitia" unterwegs waren. Die Verunglückten sollen nach Angaben der "Mittelbayerischen Zeitung" aus Molsheim, Schiffweiler bei Saarbrücken und Neubrunn (Landkreis Würzburg) stammen.

Das Ijsselmeer ist gerade bei den Deutschen ein beliebtes Ziel für Klassenfahrten. Der Unfall ändert daran nichts. Eine siebte Klasse der Wilhelm-Ferdinand-Schüßler-Tagesschule in Düsseldorf etwa hatte erst im April dort einen Segeltörn unternommen. "Unsere Schüler waren so begeistert, dass es fatal wäre, ein so tolles Gruppenerlebnis wegen dieses Vorfalls vom Plan zu streichen", sagt Konrektor Jürgen Hilger-Höltgen. Dem pflichtet Regine Schwarzhoff, Vorsitzende des Elternvereins NRW, bei: "Unfälle passieren überall", sagt sie. "Ein Verbot von Segeltouren auf Klassenfahrten halte ich nicht für sinnvoll."

Auf Fotos vom Unglücksort in Harlingen ist zu erkennen, dass der vordere Mast allem Anschein nach an der Spitze abbrach und dieser Teil mit der hölzernen sogenannten Gaffel und dem Segel auf das Deck fiel. Die Polizei erklärte, dass technische Experten das Schiff untersuchen. Mit einem Ergebnis sei erst in mehreren Wochen zu rechnen.

Julia Last von der niederländischen "De Muider Compagnie", die ebenfalls Segeltouren anbietet, findet den Vorfall merkwürdig. "Eigentlich kann nichts passieren", sagt sie. Denn mindestens alle sechs Jahre müsse der Mast von historischen Segelschiffen mit Platz für mehr als zwölf Personen von der Schifffahrtsinspektion auf seinen Zustand hin überprüft werden. Dafür werde er abmontiert. "Ist er innen nass oder hat Risse, darf er nicht mehr verwendet werden", sagt Last. Alle drei Jahre sei die Inspektion der Segel und Taue dran.

Wie die Skipperin berichtet, werde durch das sogenannte Automatische Identifikationssystem beim Einfahren eines Schiffes in einen Hafen sichtbar, wer die Inspektionen fristgerecht vorgenommen hat - und wer nicht. "Die Polizei bekommt dann eine Meldung", sagt Last. Ob bei der "Amicitia" alle Inspektionen eingehalten wurden, wollte die Polizei gestern mit Verweis auf die laufenden Untersuchungen nicht sagen.

Ein niederländischer Skipper, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet von Masten, die 30, andere sogar 120 Jahre alt und immer noch funktionstüchtig seien. Wieder andere müssten schon nach wenigen Jahren ersetzt werden. "Das ist einfach Pech", sagt er.

Das Unternehmen Wadcharter in Leeuwarden, das die 24 Meter lange und 4,80 Meter breite "Amicitia" vermietet, äußerte sich bislang nicht zu dem Unglück.

Quelle: RP
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