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Paris
Seine-Ufer wird zur Flaniermeile

Paris. Paris will den Autoverkehr vom Flussufer verbannen - der Luft zuliebe. Von Christine Longin

Blaue Sonnenschirme, feiner Sand und Kübelpalmen: so sah es im Juli und August entlang der Seine in Paris aus. Jedes Jahr ist das rechte Seine-Ufer im Sommer vier Wochen lang für den Autoverkehr gesperrt, damit Pariser und Touristen das Strandleben von "Paris Plages" genießen können. Doch in diesem Jahr geht das Urlaubsfeeling auch nach dem Abbau der Liegestühle weiter: Heute dürfte der Stadtrat von Paris die Stilllegung der Uferstraße Georges Pompidou auf 3,3 Kilometern Länge ab den Tuilerien beschließen. Eine Entscheidung, die die Bewohner der französischen Hauptstadt spaltet. Nur 55 Prozent sind laut einer Umfrage dafür, bis zu 43.000 Fahrzeuge täglich von diesem Abschnitt zu verbannen und statt dessen Fußgängern den Asphalt zu überlassen.

"Man muss endlich in Paris wieder atmen können", fordert eine zweifache Mutter aus dem Norden von Paris, die das Vorzeigeprojekt von Bürgermeisterin Anne Hidalgo gut heißt. Die Luftverschmutzung ist vor allem bei schönem Wetter sichtbar, wenn eine Dunstglocke den Eiffelturm umhüllt. Autos, die vor 1997 zugelassen wurden, dürfen deshalb seit 1. Juli nicht mehr in die Innenstadt fahren. Gestern testete die Stadt gar in Teilen des Zentrums einen autofreien Sonntag.

Doch die Pläne zur Stilllegung des rechten Seine-Ufers sind umstritten: eine Untersuchungskommission hatte im August davon abgeraten. "Es sieht so aus, als könne das Ziel einer Verringerung der Luftverschmutzung nicht durch die Umsetzung des Projektes erreicht werden", schrieben die Experten. Statt dessen litten andere Stadtbezirke, die drei Viertel des umgeleiteten Autoverkehrs aufnehmen müssten. Die Staus durch den Ausweichverkehr verursachten außerdem nur noch mehr Abgase.

Hidalgo hält trotz aller Kritik an ihren Plänen fest, für die Polizeipräfekt Michel Cadot zunächst eine sechs Monate lange Testphase genehmigte. Die Sozialistin, die mit den Grünen regiert, spricht von einer "entscheidenden Etappe gegen die Luftverschmutzung und für die Nutzung des Flusses für die Pariser." Vom linken Seine-Ufer, das wie die rechte Seite zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, sind Autos schon seit drei Jahren verbannt.

Quelle: RP
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